Hochseefischer Welt
Fahrzeitberichte
Zurück an die Wurzeln der schönsten Lebenserinnerungen                  erzählt von Norbert Stacklies
Hallo User, Nun sitze ich am Computer vor einer leeren Seite meines Textprogrammes und überlege, was kann schon ICH Interessantes aus meiner Fahrenszeit erzählen, wo doch andere viel länger gefahren sind als ich. Und das auch noch zu einer Zeit, als es noch "richtige Storys" zu erleben gab. Also, was kann ich schon schreiben, um die alten Hasen nicht zu langweilen? Wie wohl bei so vielen kristallisierte sich bei mir schon als Kind der Wunsch heraus, einmal zur See zu fahren. Was war der Grund? Sicher der, um die große weite Welt zu sehen, und wo konnte man das zu DDR-Zeiten besser als auf See. Aber auch das Unbekannte. Ich liebte zwar das Wasser, die Ostsee, aber was wusste ich als Landratte schon von der Seefahrt? Ein Freund von mir hatte sich schon eher beim Fischkombinat Rostock beworben und so folgte ich seinem Beispiel. Im September 1966 trat ich dann meine Lehre im Fischkombinat Rostock an. Als man uns das erste Mal den Hafen zeigte und ich im alten Hafenbecken einige Logger liegen sah,dachte ich mir: Was, mit diesen kleinen Booten sollst du auf das große Meer hinaus fahren? Als ich dann auch noch ein paar "wilde Gestalten" an Deck rumlungern sah - lange Haare, riesigen Vollbart - da dachte ich: Wo bist du hier nur hingeraten? Später sah ich nicht viel besser aus. Meine erste Reise machte ich auf ROS 507 "Svinoey", einem Frosttrawler. Im Skagerrak erlebte ich meine Sturmtaufe. Einen Tag lang war es mir wie sterben, dann hatte ich es aber überstanden. Da ging es anderen viel schlechter. Und dann war es soweit, ich war zum ersten Mal im "westlichen" Ausland - Norwegen. Für meine erste Fahrt als Matrose landete ich auf ROS 215 "Eisleben". Hier lernte ich, was Seefahrt bedeutet. Danach ging es auf einen Logger (ROS 110 "Geschwister Scholl"). Auf der Brücke gab es noch ein richtiges Steuerrad! Eine Reise führte uns nach Spitzbergen. Wir sollten den Fang unserer Ringwadenflotte verarbeiten. Aber irgendwie ging das in die Hose. Nur unsere ausländischen Kollegen dampften einer nach dem anderen mit vollem Laderaum gen Heimathafen. Dafür konnten wir die Sonne genießen und uns bräunen, fast 24-Stunden lang! War das ein Erlebnis. Danach durfte ich mit der "Robert Koch" meinen Logger nach Delfzijl in den Niederlanden zur Verschrottung schleppen. Im Januar 1969 legte ich meine Taucherprüfung ab und fuhr dann auf der "Nexö" als Matrose und Taucher. Es folgten weitere Schiffe, und 1972 landete ich dann als Netzmacher auf ROS 310 "Peter Kast" unter Kapitän Parchmann. Wir waren an der Entwicklung des Jagernetzes beteiligt und die zweite Besatzung, welche ausgetauscht wurde. 1974 wollte ich dann Nautik studieren, leider machte mir da die NVA einen Strich durch die Rechnung - ich "durfte" im November antanzen. Nach der Armeezeit bin ich an Land geblieben. Stieg in die Sprengtechnik ein, machte meinen Sprengmeister, Studium zum Bau- und Sprengingenieur. Jetzt arbeite ich in Österreich für die österreichische Bundesbahn. Es war eine sehr schöne Zeit im Fischkombinat Rostock. Ich werde sie nicht vergessen; die Erinnerung tut mir gut!. Die Zeit auf See hat mich geprägt und mir eine gute Grundlage für das weitere Leben gegeben. Leider hatte ich schon immer ein schlechtes Namensgedächtnis, denn es gäbe vielen zu danken. Auf jeden Fall nennen möchte ich aber Peter Rakow und Peter Geisler, genannt Peting. Ihnen habe ich viel zu verdanken. Durch eine kleine Zeitungsanzeige, in der "ehemalige Hochseefischer gesucht" wurden, habe ich seit Mai 2009 wieder Kontakt zu alten Fahrensleuten. Wir treffen uns regelmäßig zum Dresdner Hochseefischerstammtisch. Mit von der Partie ist auch Kapitän Name gelöscht, der uns seine sehr interessanten und empfehlenswerten Bücher vorstellte. Es tut gut, wieder unter Hochseefischern zu sein und viele Gemeinsamkeiten und Erinnerungen zu entdecken!
Reinhard Sommer Reinhard Sommer