Hochseefischer Welt
Fahrzeitberichte
.... Hochseefischer erzählen über Ereignisse an Bord der Fangschiffe-                              "Aus den Erinnerungen des Hochseefischers Heizer Tom"     Moin,moin, mein langer Weg zur Hochseefischerei!   Mitte der fünfziger Jahre herrschte eine eigenartige Stimmung im Land, auf der einen Seite ein Aufbruch, die Menschen hatten den Krieg erlebt, alles satt und wollten endlich ein neues Leben beginnen, auf der anderen Seite die Zweifler, hier konnte es nicht besser werden, die "Roten" können es nicht, die eifern dem Stalin nach....... Diese Stimmung ging weit hinein in die Familien. Ich kann mich erinnern, mein Vater rannte Tag und Nacht auf Arbeit, war stolz auf jedes noch so kleines positives Ergebnis, die Mutter nähte für uns Jungs Jacken und Mäntel, denn so war es für die Familienkasse günstiger. Wir wurden noch in kurzen Hosen und langen Strümpfen in die Schule geschickt... nahmen teil an Theatergruppen, rasten im Frühjahr mit Seifenkisten den Berg hinab, ein offizielles Ereignis in der Stadt, die Rennstrecke war mit Strohballen gesichert, die Väter, die Notmechaniker, ausgerüstet mit Hammer und Nagel, immer zur Hand......... eigntlich eine schöne Kindheit, wenn die Onkel auf Besuch kamen, dann wurde es laut. Die Männer diskutierten bis in die Nacht, wie geht es weiter,wo geht es hin......viele Fragen, die sie bewegten und wir Kinder mitten drin, die Ohren ganz lang, wenn die Männer dann bei ihren Kriegserlebnissen ankamen....Den Ausbruch aus dem Kessel von Kursk, die Flucht zu den Ami's.........Meist landeten wir dann aber widerstrebend in den Betten.. Eines Tages kam Vater und meinte Onkel Hans wird uns nicht mehr besuchen. Wir:" wieso?" Die Vorstellung, nie mehr  auf seinem Motorrad, einer schicken BMW mitfahren zu dürfen, stolz an den anderen Jungs der Strasse vorbei...... missfiel uns sehr! "Nein, er kommt nicht mehr, ist rüber in den Westen". Nun sahen wir den Vater allein, viele Tage grübelnd, mit der Mutter diskutierend.....Im Ergebnis beendete er seinen Meisterlehrgang und begann sein Ingenieurfernstudium. So hatten wir noch weniger von dem Vater und waren noch mehr dem Kochlöffel der Mutter ausgesetzt, der nicht nur die Mittagssuppe umrührte, sondern schnell mal auf unseren Händen und Kopf landete.......! Eins lies sich der Vater nicht nehmen, kam die Sonne richtig höher, war Urlaubszeit angesagt. In der Familie herrschte eine Aufregung, als sollte es nach Amerika gehen . Im Hof wurde das alte Zelt aufgebaut, das weisse Überzelt, noch aus "guter" Fallschirmseide, weiß der Himmel,             (wie Vater da dran gekommen ist?), und alles fein säuberlich wieder zusammengelegt, ebenso das Faltboot gepuddert und gesalbt und einen Tages alles, einschließlich der Familie in den Zug für die lange Reise aus dem Thüringer Land an die ferne Küste, der Ostsee verfrachtet! Im Abteil wurde schnell nach Vater's Art "Ordnung" geschaffen.....Die Erwachsenen machten es sich auf den Holzbänken bequem und wir Jungs lagen ruckzug in den Gepäcknetzen über ihren Köpfen.....Bald hörte man nur noch das Murmeln der Erwachsenen und dämmerten hinweg. Nach Stunden wurde ich wach vom eintönigen "dong,dong....dong,dong", wenn der Zug über die Schienenstösse donnerte. Aber, was ich sah war einfach herrlich, weites, grünes, flaches Land, im Morgendunst hier und da eine Kuh, in der Ferne einzelne spitze Kirchturmspitzen.... und schon war ich wieder eingedusselt. Früh, ca. 5 Uhr erreichten wir unser erstes Ziel Wismar. Der Vater voran, wir noch verschlafen ,dennoch aufgeregt hinterher. Schnell die Package aus dem Gepäckwagen abgeholt. Gewaltig türmte sich der lange Bootssack mit dem Zelt auf dem kleinen, zweirädrigen Wagen......Natürlich kam es auf dem groben Kopfsteinpflaster auf dem Weg vom Bahnhof zum Hafen zum Bruch, was Vater nicht entmutigte, mit kräftigen Stricken die Funktionsfähigkeit wiederher- zustellen und schon ging der Tross weiter Richtung Hafen durch die noch leeren Strassen von Wismar. Das Gekreisch der Möwen begrüsste uns, wir blickten gebannt auf das Wasser, die Möwen und die Schiffe, alte Fischkutter, die sich zum Auslaufen bereit machten. Nach Minuten kam Vater zurück mit der Nachricht, Jungs Beeilung, das Lotsenboot nimmt uns mit nach Timmendorf, sie haben Schichtwechsel. Herrlich, für Vater die Möglichkeit seinen ganzen Tross gut auf die Insel Poel zu verfrachten, für uns eine Bootsfahrt, früh am Morgen! Wir waren begeistert, turnten vom Deck auf den Leitern hinauf auf die Brücke, winkten den uns begleitenden Möwen zu, stellten uns neben den Vater, der schon lange nebem den Bootsführer stand, eine "Turf" nach der anderen mit ihm rauchte und alle hielten Ausschau nach der Insel. Bald lief das Boot langsam in den Hafen von Timmendorf ein, machte fest, der Bootsführer bekam seinen Lohn: ...den Rest von der grossen "Turf" Schachtel Zigaretten und wir sprangen an Land. Schnell war der Platz für das Zelt ausgemacht,im Schutz der ersten Büsche hinter dem Strand. Ein herrlicher Urlaub, wir Jungs freundeten uns mit den russischen Soldaten an, die eine Küstenstation am Leuchtturm betrieben, sahen bei ihnen schreckliche Filme von Krieg, lernten Volleyball, das die Soldaten von früh bis abends spielten, waren bald bei den Fischern im Hafen bekannt,und schon hatte Mutter auf dem Petroleumkocher am Zelt Fisch im Topf......fuhren mit dem Faltboot hinüber in die Bucht, wo die stolze "Wilhelm Piek" ,das Segelschulschiff vor Anker lag. Ein gewaltiges Schiff von meinem Sitz ganz vorn im Faltboot aus, dass fast in den Wellen verschwand und nur, wenn wir auf der Welle waren den Blick freigab auf die Pieck. Der Vater hinten das Paddel in der Hand, hatte alles im Griff: " gut festhalten Jungs" und ein kräftiges "Ahoi" hinüber zur Piek,die wohl erstaunt waren über den Verrückten mit seinen Jungs! Ein Urlaub, der mein Leben prägte. Denn immer,wie es üblich war und die lieben Verwandten zu Besuch kamen, die allseits bekannte Frage stellten:" ...na Junge, was willst Du mal werden?", antwortete ich: " Seemann!" Nein, nicht Feuerwehrmann, Lokführer, Pilot, nein, ich wollte Seemann werden, das Gekreisch, der Möwen hören, den Horizont sehen, wo sich der blaue Himmel mit dem Blau des Wasseres verband. Ganz anders als in dem kleinen thüringschen Städtchen, wo sich immer ein Berg vor den Horizont schob. Schon bald brauchte ich auf die Frage nicht mehr antworten, denn immer wenn sie auftauchte, antwortete schon mein Vater für mich:"....der Dicke? Der wird Seemann!" Später mit 14 ,15 Jahren als die Frage wirklich akut wurde, gab es gar nichts anderes für mich, ich musste zu meinem Wort stehen und da mir in dem Alter schon die Wirkung des Geldes bewusst war, wo und wie sollte man in diesem Land, dass sich gerade frisch eingekapselt hatte ordentlich Geld verdienen......... Nur, wie von einem thüringschen Städtchen an die See kommen?......Bis eines Tages die Eltern nach einem Kinobesuch aufgeregt nach Hause kamen:".. Junge da lief eine Werbung: "Das Fischkombinat Rostock sucht Matrosenlehrlinge!". Die Adresse hatten sie sich nicht gemerkt, also wurde der Filmvorführer ausfindig gemacht, der morgends noch einmal den Film extra auflegte, die Adresse notiert und schon konnte es losgehen..... Nein, denn jetzt kam Vater! "Junge, bevor Du auf See gehst, lernst Du einen richtigen Beruf! Was ist, wenn Du das Wasser nicht verträgst?". Ich sagte:" Wieso nicht vertragen, auf dem Lotsenboot vor Jahren habe ich alles vertragen....!" Mein Vater verdrehte die Augen, ob solcher Dummheit, dennoch fanden wir einen Kompromiss: "Ich lerne Maschinen- bauer und fahre danach zur See!" Nachdem ich alle Hürden für die Lehre, wie Seetauglichkeit (dafür wurde ich sogar in Halle bei den Medizinern in eine Zentrifuge für Piloten gesteckt). Auch nachdem die Hürden der speziellen Innung, für die mein Klassenlehrer sogar zwei Beurteilungen geschrieben hatte, bewältigt waren, schickte mich Rostock auf die Werft in Stralsund, wo wir zukünftigen "Heizer" die Schiffe wirklich von innen und außen kennenlernten........ So wurde ich Heizer, statt Matrose, aber dennoch Seemann. Weil ich versuchte, mich auf Trawlern "unentbehrlich" zu machen, ging an mir der Kelch der Volksarmee vorbei. Ich wurde gemustert und musste mein Wehrdienstbuch gleich wieder abgeben und habe es nie wieder gesehen.................! Aber habe doch noch viel mit den Folgen dieses Dienstes zu tun gehabt, denn auch mein Assi wurde zur Grenze eingezogen. Da ich es versprochen hatte kam er wieder zu uns auf den Trawler nach der Armeezeit zurück und ich hatte die Aufgabe, aus einem Fastalkoholiker einen vernünftigen Menschen zu machen, der seine Armeezeit hinter sich lassen konnte........! Viel Gruesse Heizer Tom
Heizer Tom 2 Heizer Tom 2