Hochseefischer Welt
Fahrzeitberichte
Geschichten - die das wahre Leben schrieb !   "Nachtwache auf ROS 303"     Es war die einzige Situation während meiner Fahrenszeit  mit so vielen Wiedersprüchen, war es mein Versagen? War es die Technik? Oder die Gewalt der Elemente?  Wir befanden uns auf der Hinreise von Rostock zum Fangplatz Labrador-Neufundland  auf  ROS-303 „F.Wolf“. Ich war auf der Brücke als Wache (Rudergänger-Ausguck) eingeteilt. In der Nacht vom 7.zum 8. Mai 1966, ich hatte die Wache von 24 Uhr bis 4 Uhr, befanden wir uns ungefähr zwischen Island und Grönland. Es stürmte schon einige Tage sehr stark. Ich übernahm das Ruder und sollte das Schiff gegenan halten. Die See war so stark, ich sah nur Schaum und riesige Wellenberge, finstere Nacht, nur der große Scheinwerfer beleuchtete spärlich. Ich hatte die größte Mühe das Schiff gegenan zu halten und musste mit hart Ruder arbeiten. Zum wachhabenden Offizier schrie ich das Schiff ist nicht auf Kurs zu halten, er solle mehr Fahrt geben, das Ruder  reagierte nicht, nach dem wie ich es brauchte um das Schiff sicher gegenan zu halten, es driftete immer öfter nach Backbord ab. Der Wachhabende rief den Kapitän.Bartel auf die Brücke, er orderte einen Masch.Assi in die Ruderanlage um die Ruderanlage zu überprüfen. Die Wellen wurden so gewaltig und hoch ,ich sah nur noch riesige Wasserberge auf uns zu kommen. Es geschah das Schlimmste was man sich vorstellen kann. Das Schiff wurde nach Backbord abgedrückt und war trotz hart Ruder nach Steuerbord nicht mehr gegen die See zu halten. Es lag dwars zur See, die nächste Welle kam wie eine Wand mit ungeheurer Gewalt, ich wurde vom Ruderstand weggerissen und flog mit samt den Lattenrosten, auf dem man stand, mit dem Kapitän und Wachhabenden in die Steuerbordseite der Brücke. Das Schiff hatte so viel Schlagseite, ich dachte wir kenterten. Meine Gedanken, das eiskalte Wasser, würdest du ein Rettungsfloß erreichen, die Besatzung schlief in den Kojen. Es war keine Angst oder Panik aber der Kapitän schrie ich weis nicht mehr was. Es müssen Monsterwellen gewesen sein, der Krängungsmesser zeigte noch am nächsten Tag  47° Schlagseite an. Ein Wunder muß geschehen sein, das Schiff konnte wieder auf  Kurs gegenan gebracht werden. Ich wurde vom Ruderstand gejagt und angeschrieen, nicht in der Lage zu sein das Schiff auf Kurs zu Halten. Die Nacht hat ihre Spuren auf dem Schiff hinterlassen. Alles was nicht richtig verzurrt war lag herum. In der Kombüse sah es schlimm aus. Ein günstiger Umstand, wir waren auf der Ausreise ,die Laderäume lehr, die Treibstoff und Wassertanks voll, das brachte dem Schiff einen günstigen Schwerpunkt. Als ich im Buch über die Hochseefischerei der DDR „Hiev Up“, auf Seite 80 bis 81 einen ähnlichen Bericht aus dem Schiffstagebuch von ROS 302 las, war es mir klar, dass ich keine Schuld an diesem beinahe tragischen Vorfall hatte. Die Maschinenleistung für ein Schiff dieser Größe war einfach zu schwach um bei solch schwerer See das Schiff noch sicher gegenan zu halten. Ich durfte weiter meine Ruderwachen gehen und sogar am Ende der Reise das Schiff durch die Einfahrt nach Warnemünde bis zum Fischereihafen-Marienehe steuern. Bei einem Gespräch des Kapitäns mit dem Lotsen auf der Brücke über die Reise, soweit ich es mithören konnte, sagte der Kapitän : "Wir hatten auf der Hinreise  einen schweren Orkan und das Schiff währe beinahe gekentert weil der Rudergänger es nicht gegen die See halten konnte." Wer den Film „Der Sturm“ gesehen hat, kann es sich vorstellen was eine zu schwache Leistung der Hauptmaschine für ein Schiff in so einer Situation bedeuten kann. Wir hatten großes Glück, ich werde das Erlebnis niemals vergessen , die schlimmste Nacht meiner Fahrenszeit. Auf der Brücke am Ruder oder Ausguck, bin ich immer gern gewesen, auch in meiner Freizeit und habe so manchen schweren Sturm mit „abgeritten“. Eine Nacht, die man nie vergessen kann , denn es war vor 40 Jahren.  
Christian-J. Krauß
Rolf Jürgen Petzold Rolf Jürgen Petzold