Hochseefischer Welt
Fahrzeitberichte
Fortsetzung Mit frischen Eindrücken und Erfahrungen strebten wir natürlich wieder auf unser Schiff, dass unter der Leitung des Ersten vor der Barre auf uns wartete. Nun gab es gleich Arbeit, für das Pilotnetz mussten Scherbretter gebaut werden ( Gott sei Dank, dass wir das Schiff schon in Rostock mit allen möglichen Materialien "vollgestopft" hatten). Die Matrosen spleisten Arbeitsdraht zu einer dritten "Kurrleine". Klapprollen wurden angebracht und schon wurde das erste mal das Pilotnetz ausgebracht. Die Stb.- Beihierwinde musste als "Netzwinde" dienen, ja , so könnte es klappen! Also Netze raus und nach "japanischer Art" gefischt! Alle 30 min. wurde das Pilotnetz gehievt, der Ministeert an Deck entleert und die Garnelen gezählt! Waren es wenige wurde weiter gefischt, wurden es mehr, das Schiff mit den Netzen gedreht und wieder zurück zur gleichen Stelle! Ja, so konnte man von "gezielter" Fischerei sprechen. Aber diese Aktionen mit einem 1000 BRT Schiff durchzuführen, war etwas anders als mit den Garnelenkuttern der Japaner! Ein weiteres Handicap machte uns Probleme, mit so wenig Kurrleine wurde ja auch nur eine geringe Schleppleistung benötigt, unsere Zweitakt-Hauptmaschine war nur zu 50 % und weniger ausgelastet! Jeder, der in seinem Leben Trabant gefahren ist, kennt das, nach wochenlangem Stadtverkehr sollte der Trabant einmal richtig auf der Autobahn geheizt werden, damit er keine "lahme" Ente wurde. So auch hier. Schon beim Dampfen Richtung Quelimane wurden wir das erste Mal geschockt, als bei "Vollsprit" dicke schwarz-gelbe Qualmwolkenaus dem Schornstein "brachen" und nach kurzer Zeit darin eine fauchende Flamme aufstieg.
Jetzt nur die Maschine nicht anhalten war die Devise, auf die Abgase vertrauen, die letztendlich die Flamme ausblasen ließen. Doch der in ihnen verbliebene Restsauerstoff reichte aus, das die gesamte Abgasleitung bis hinunter anfing zu glühen. Auf der Brücke beobachteten sie voller Sorge den Schornstein, wie wir hier unten im Schalttafelraum die Maschine. Es ging gut, die Flammen erloschen, die Maschine "kühlte"sich ab. Ein Schornsteinbrand. Durch das tagelange Schleppen im Teillastbereich hatte sich unverbrannter Brennstoff und Oel als Oelkohle in der Abgasleitung festgesetzt! Natürlich "flogen" jetzt auch die Telegramme zwischen uns und Rostock hin und her. Rostock bot nur als Alternative die regelmäßige ,manuelle Reinigung der Abgasleitung an. Nun wurde in gewissen Zeitabständen die Maschine gestoppt, die Abgasleitung geöffnet und nachdem sie entsprechend abgekühlt war, kroch ein Mann in das kaum 80 cm im Durchmesser dicke Rohr und stiess die Kohle von den Wänden, ähnlich den Bergleuten in einem Kohleflöz, nur war der sicher höher, breiter als hier! Eine "Schweinearbeit". Aber selbst unser 3.Heizer mit Platzangst kroch hinein, dabei seinen mächtigen Bauch einziehend! Wir wollten wieder in Fahrt kommen! Deshalb war die Maschine auch noch heiß genug, diese Arbeit zur Qual werden zu lassen. Es konnte kein Dauerzustand sein! Als dann auf der Reise nach Maputo wieder ein Brand ausbrach, der so heftig war, dass Blechstücke an Deck landeten, die aus dem Schornstein geflogen kamen, die Isolierung der Abgasleitung vollends zusammenheschmolzen war, mussten in Maputo neue Lösungen gefunden werden. Der Hinweis von Rostock per Telegramm, nun alle verfügbaren Isolierungen an Hilfsmaschinen, sowie Kessel zu demontieren und für die Isolation der Hauptmaschine zu verwenden, um so die Einsatzfähigkeit des Schiffes abzusichern, konnte nicht ernst genommen werden! Jetzt half das Organisationstalent unseres Fischereivertreters in Maputo weiter, dem klar war, die benötigte Steinwolle, Gazedraht konnte er in dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land nicht bekommen und mit dem Nachbarland Südafrika, dass unter der Apartheid leidete, hatte die DDR keine Handelsbeziehungen, dennoch gelang es ihm in kürzester Zeit, von dort die benötigten Teile zu "besorgen"! Ich glaube der Botschafter durfte von dieser Aktion nichts wissen, sonst wäre es wohl des Fischereivertreters letzte Stunde in Mocambique gewesen. Wir waren froh! Sofort wurde das Deck zur "Nähstube" umfunktioniert. Die Matrosen bauten aus Schotten lange Tische, die Isolierstoffe darauf ausgerollt nach Muster zugeschnitten, die Steinwolle darauf mit den Gazedraht verbunden. Alle halfen mit! Selbst der Koch, der aussah, wie "Meister Nadelöhr" persönlich. Wir Maschinisten bauten die fertigen Isoliermatten um das Abgasrohr, so war der Orginalzustand wieder hergestellt.Jetzt war das Schiff wieder einsatzfähig! Nun wurde aber in Abstimmung mit Rostock entschieden, aufgrund unserer Größe, der fehlenden Wendigkeit, der Ferne zum Stützpunkt Maputo und nicht zuletzt wegen der Probleme mit der Maschinen- anlage, die Flachwasserfischerei zu den Akten zu legen! In Folge fischten die 4 Garnelentrawler weiter nur auf Tiefwassergarnele, aber mit Erfolg. Die geplanten Mengen und damit Dollarerlöse für das Fischkombinat wurden nun jährlich erreicht, auch wenn Rostock, diese nun kontinuierlich erhöhte, hatte sich nun ein "routinemäßiger" Ablauf eingestellt. Fast monatlich wurde die Fertigware an ein DSR - Schiff, dass rund um Afrika fuhr, übergeben ( bekannt MS "Arendsee", das in Luanda attakiert wurde und sank! Wir hatten oft an dem Schiff gelegen!), dabei Proviant, Netze und Ersatzteile übernommen. Die DSR Leute staunten nicht schlecht, dass unsere Matrosen des Nachts, wenn die DSR-Jungs Feierabend hatten, einfach die Winden auf deren Schiff übernahmen und die Übergabe/Übernahme fortsetzten. Ein harter Job. Aber Hochseefischer verdienen halt nur Geld, wenn das Netz am Grund ist, hier im Hafen ganz bestimmt nicht. Daher die Eile und der Ansporn! Doch blieb oft auch Zeit, mal kurz an Land zu "hüpfen", den Augen etwas anderes zu bieten als Schiff, Wasser, Netze und Arbeit!
"Explosion vor Süd-Ost-Afrika"                        Teil VII
Seit Jahren wurden die Spezialzubringertrawler, die sogenannten" Spezis" nach Sczcecin auf die Szczeciska Stocznia Remontowa Gryfia , kurz die Inselwerft inmitten der Oder zur turnusmäßigen Werftüberholung geschickt. Deshalb gingen die Garnelentrawler ebenfalls nach Sczcecin. Bei den Werftarbeitern und Verantwortlichen hatte sich schon eine gewisse Routine herausgebildet, so dass sie die Überholung gelassen angingen. Die Besatzung kannte im wesentlichen auch den Ablauf, die Erfahrenen gaben ihre Kenntnisse beim Umtausch von DDR Mark in Zloty, sowie ihre Kenntnisse von Kaskade, Bristol und mehreren einschlägigen Clubs gern weiter, so machten aller 2 Jahre auch die Jungen ihre immer neuen Erfahrungen in den polnischen Gegebenheiten............ Aber vor dem Vergnügen wurde oft der Schweiß gesetzt, denn nach 90 Tagen auf See, davon 30 Tagen Heimreise von Mocambique um das Kap der Guten Hoffnung herum bis nach Rostock gab es nicht die ersehnte Freizeit, sondern das Schiff musste "abgerüstet" werden. Fluchend schlugen alle Decksleute sämtliche Netze an, hievten sie von Bord, kurz , das Schiff wurde leergeräumt, die Maschinisten überprüften alle Türschlösser, Schlüssel. Es wollte alles gut abgesichert werden auf den Weg nach Polen. Dann die Überführung, gern liess man das Schiff vor Świnoujście - Swinemünde auf Reede liegen. Die Werft hatte noch keinen Platz und das nach 90 Tagen, die Stimmung war im Keller und führte dazu, dass nach dem endlich erfolgten Festmachen in der Werft die ersten einfach verschwanden... Sie warteten nicht erst ihr Seefahrtsbuch ab, sondern der PA reichte und fort waren sie. Manchen trafen wir abends wieder, drüben auf dem Festland in der Werftwache, ohne Personalausweis, ohne Geld, ja sogar ohne Hosen und schimpfte über die Nutten, Taxifahrer und die Miliz. Oh,oh nur gut, dass das Schiff noch da war. Die Wachen waren eingeteilt und uns blieb noch die Werftabsprachen. Hatte in Rostock der Bauleiter schon um einiges den Bauauftrag gekürzt, so kam jetzt der Vertreter des Kombinates und kürzte den Auftrag auch um einiges ( wir waren vorbereitet und hatten schon diverse Aufträge erteilt, bei denen wir wussten, sie würden sowieso gestrichen....). Endlich konnte die eigentliche Absprache mit dem polnischen Bauleiter beginnen. Ich glaube, ich konnte "gut" mit ihm.  Er wollte respektiert werden und dem haben wir jeden Morgen erstmal mit 100 gr. Zubrowka und Salamifrühstück Rechnung getragen. Danach konnte er die Aufträge flüssig durchgehen und mein Polnisch hatte sich erstaunlich verbessert, besonders beim Fluchen, wenn wieder etwas nicht so laufen wollte, wie es sollte! Unser Interesse lag während der gesamten Werftzeit darin, frisch überholt, in guter Qualität endlich wieder auf See zu kommen! Daher wunderten sich so manche polnischen Wertarbeiter, bzw. Studenten, die die Tanks reinigen sollten, dass wir selbst in die letzten Ecken der Doppelböden unter der Hauptmaschine krochen und die vergessenen Putzlappen ans Tageslicht brachten. Dennoch, wie sich zeigen sollte, bei der Fülle der Arbeiten, man konnte nicht alles kontrollieren und war auf die eigenständige Qualitätsarbeit angewiesen. Leider war dies noch nicht vergleichbar mit heutigen Ansprüchen, waren die Verhältnisse doch noch ganz anders. Selbst die beiden Gesellschaftssysteme spielten eine Rolle Z.B.der Maschinenmeister, der die Hauptmaschine auseinander- genommen hatte, war auf einmal weg, wie ich hörte, absolvierte er seinen jährlichen mehrmonatigen Seeeinsatz auf einem westdeutschen Frachter, so verdiente er sich ein mehrfaches als sein Werftgehalt. Auch blickten wir voller Neid auf die westdeutschen Schiffe, die in der Werft überholt , bzw durch Einfügen neuer Sektionen erweitert wurden, wie deren Korrosionschutz erfolgte, mit Sandstrahlen, Grundierungen, Schleifen....aber dafür reichten wohl unsere Rubelverrechnungen nicht, dabei wäre so ein Korrossinsschutz für die tropischen Gewässer vor Mocambique bitter nötig, stattdessen mussten schon in Rostock die ersten Rostflecken wieder bearbeitet werden :( Natürlich zog sich so die Werftzeit hin, wurde für alle zur Belastung und nicht nur die Besatzung war froh, wenn das Schiff endlich dieProbefahrt absolviert hatte. Nun in Rostock die letzten Prüfungen überstand, ausgerüstet wurde und wir endlich auf dem Weg nach Afrika, zum Kap und nach Mocambique waren....... Vor den ruhigen Gewässern hatten wir aber noch die Biskaya vor uns, hier geriet das Schiff das erste Mal so richtig in's Schaukeln und siehe,was war das ? Auf einmal dreht es Kreise. Das Ruder reagierte nicht mehr, lag nach Bb, also drehte das Schiff, einmal gegen die Wellen, gleich darauf dwars See, mächtig schaukelnd drehte es sich vor die Wellen...bis der Alte aufstoppte. Natürlich wieder der Ruf :" Heizzzzeeeer!" Gemeinsam mit dem E-Meister stand ich im Rudermaschinenraum unter der Heckslip rätselnd vor dem Hydraulikaggregat, dass die zwei gewaltigen Hydraulikzylinder, die die Ruderdüse bewegen sollte, mit Oeldruck versorgte. Äußerlich alles in Ordnung, die Pumpen liefen, die Ventile schienen in Ordnung, aber nichts bewegte sich...Schon wollten wir die komplizierten Hydraulik- ventilen auseinanderreissen, da erinnerte mich der E-Meister an unsere alte Regel, nach der Werftzeit erst dort zu schauen, wo gearbeitet wurde......und das war hier der kleine Oeltank unter der Pumpe, er war zum Reinigen aufgegeben! Schnell den Deckel aufgemacht, mit der Hand, dem Arm suchend im Tank herumgefischt und siehe da, direkt unter dem Saugrohr der Pumpe ein Putzlappen, in der letzten Ecke, schon halb in das Rohr gesaugt, versperrte er dem Oel den Weg und das Schiff drehte Kreise......... Wenn das im Hafen oder im Engl.Kanal, der gerade hinter uns lag, passiert wäre.... Hier mussten wir nur das Schaukeln aushalten! Weiter konnte unsere Reise gehen , ohne Kreise, auf dem richtigen Kurs, der ging geradewegs nach Süden, an Mauretanien vorbei. Vor Namibia kamen fast "heimatliche" Gefühle auf. Auf dem UKW die Stimmen von Peter, Rudi und, und...... Und da waren sie schon zu sehen; Supertrawler, eine dunkle Rauchfahne hinterherziehend, schleppten am Horizont. Das Gelb, grau schon verwittert gegen unseren fast neuen Werftanstrich! Die Kapitäne reagierten also in dieser schwierigen Situation viel ruhiger und ausgeglichener, als wir Heizer! In Maputo angekommen, erhielt ich meine Lektion, der Alte zu mir :" Heizer, treck di mol ne saubere Buchs övver, de Botschafter kommt!", natürlich habe ich mir schnell eine saubere Hose angezogen, mich aber nach kurzer Zeit unter dem Vorwand " unaufschiebbare Reparaturarbeiten warten auf mich" in den Maschinenraum verholt! Nun waren wir auch wieder im Fanggebiet angemeldet, der Fischereivertreter hatte aber noch einen Auftrag für uns, zur Versorgung der Sassnitzer Fischer oben in Beira. Also auf nach Beira, den Stützpunkt der Sassnitzer und Hafenstadt der Provinz Sofala. Es war immer interessant die Sassnitzer zu erleben, deren Arbeit ich bewundern musste auf ihren 27 m Kuttern, aber noch interessanter war ein uns dort gebotener Ausflug zum Camp der "Reichsbahnleute" aus der DDR, die mitten im Busch die alte Eisenbahnlinie nach Malawi wieder befahrbar machen sollten und die wir in einem Restaurant der Stadt bei Serveza und Krabbensuppe (..eine wässrige Lösung und darin schwamm ein Dwarsläufer, igit,igitt, aber ohne Suppe gab es kein Bier!))! antrafen. Schon die Fahrt mit deren Toyota war ein Erlebnis. Zusätzlich zu den Schlaglöchern der Piste, Allenthalben ein Schlagbaum, Kontrollen der schwerbewaffneten Frelimo, deren finstere Gesichter sich bei dem Ausspruch "RDA" (DDR) aufhellten und den Schlagbaum öffnen lies! (Hier im Busch von Afrika, Mocambique hatten die drei Buchstaben einen guten Klang, dagegen in der Heimat selbst, die Menschen sich mehr und mehr davon nicht mehr beeindrucken ließen!) Die Reichsbahnleute, ein bunter Haufen, die früh morgends mit ihren Reparaturzug aufbrachen, die Strecke reparierten, die in der Nacht wieder von den Rebellen zerstört wurde........ Ein langes Wechselspiel, man kann froh sein, dass die Jungs dort unbeschadet raus gekommen sind, denn auch ihre Beschützer waren beim ersten Schuss verschwunden, so konnten sie nur ordentlich Dampf machen und mit ihrem Zug verschwinden. Erstaunlich der Alkoholkonsum im Camp, aber unser Gastgeschenk, Rostocker Hafenbräu und Sauerteig, zur Herstellung von Schwarzbrot war hochwillkommen. Wir freuten uns über frisch geerntete Kartoffeln, hatten unsere Kartoffeln an Bord doch schon wieder ellenlange Triebe angesetzt Im Dorf, das zum Camp gehörte, konnte man die fleissigen, schwarzen Frauen sehen, die die Felder bestellten, alle Arbeiten erledigten und ihre Männer bestaunen, die den Tag dösend vor der Rundhütte verbrachten. Natürlich wurden wir ebenso bestaunt von den vielen Kindern, denen so bleiche Gesellen auch nicht normal vorkamen! Aber unser Kapitän drängte, endlich, endlich wollte er wieder fischen nach so langer Zeit und nicht noch mehr Zeit hier oben in der Mitte Mocambiques vertrödeln. Deshalb hat er auch gleich südlich von Beira unterhalb der Seepferdchenwiese ausgesetzt. Die Netze endlich am Grund, ordentlich ausgeatmet:"..nun kann das wahre Leben beginnen". Zufrieden schaute er auf das Echolot, verschränkte die Arme über dem Radargerät und schaute nach vorn, nichts ahnend was im Bauch des Schiffes vor sich ging. Ich sass beim Kino in der Messe, kam der M-Assi außer Atem angelaufen: "Tom, komm schnell...!" Das war ernst, ich schnell hinterher. Schon auf dem Betriebsgang alle Sinne angespannt, auf den Handläufern runtergerutscht in den Maschinenraum. Die Augen nahmen nichts unnormales auf, auch die Geräusche wie immer, eben sprang der Luftkompressor ratternd an, drüben "sang" der Separator. Aber die Nase spürte unnormal heiße Luft, es roch nach heißen Teilen im sonst schon heißen Maschinenraum! Runter an der Hauptmaschine lang, die Hände prüfend an die Schauklappen gehalten, dort die Gebläseklappen - knallend heiß. Schnell hinauf in den Schalttafelraum, die Wache komplett hier und der Maschinist deutet nur auf die Oeltemparatur der Hauptmaschine. Schon betätigte ich den Notausschalter. Sofort stand die Maschine, damit auch kein Licht mehr, alles Dunkel...Nachtstille, mitteinmal ertönt ein mächtiger Knall, Rumms, ein Schlag erschütterte das Schiff! Durch das Schalttafelfenster war mit dem Knall Feuerzungen unterhalb der Abgasleitung zu sehen und nun flackerte Feuerschein an der Bb Seite des Maschinenraums. Wir schauten uns hier unten an. Ich glaube wir hatten alle weiche Knien. Inder Stille und Dunkelheit ertönten auf einmal von oben Rufe. Der Alte! "Ja, wir sind okay!" gab ich ihm Antwort und gleichzeitig schmiss der Maschinist den großen Hilfsdiesel an, wir hatten Licht, konnten die Absauglüfter in Betrieb nehmen. Gemeinsam liefen wir um die Hauptmaschine, es brannten zum Glück nur einige Putzlappen an der Vakuumpumpe, die der Kälteing. zerlegt hatte.Schnell waren diese gelöscht und wir konnten auch die Zulüfter in Betrieb nehmen, um die beißenden Abgase aus dem Maschinenraumzu bekommen. Natürlich war der Alte jetzt zu uns in den Maschinenraum gekommen,berichtete, dass eine Druckwelle durch das Schiff gelaufen ist, derNetzmacher auf dem Betriebsgang dadurch stürzte, sich aber nicht verletzte. Also alle gesund, Maschine kaputt! Wir mussten erst einmal Bestandsaufnahme machen, uns selbst "organisieren"! Inzwischen waren alle "Maschinesen" im Schalttafelraum angekommen, bei so etwas hielt es keinen in der Koje, schon die plötzliche Stille im Schiff lies einen munter werden und jetzt noch dasExplosionsgeräusch......! Wir mussten feststellen, soeben eine klassische Kurbelwannenexplosion erlebt zu haben, die durch die Dekompressionsklappen abgeleitet wurde. Verständlich, dass der Kapitän sofort die Ursache erfahren wollte, aber wer sollte dies schon sagen, wenn wir uns alle noch selbst ungläubig anschauten. Dennoch, die ersten Schritte wollten eingeleitet werden, dazu wurde abgesprochen, alle öffnen gemeinsam sämtliche Schauklappen an der Hauptmaschine. Danach legen wir weitere Schritte fest. Schon mit der ersten geöffneten Schauklappe am Kurbeltrieb fiel das Ausmaß der Explosion ins Auge. Die ganze Kurbelwanne war mit feinen weissen Explosionsrückständen bedeckt. Feinste weisse Asche muss entfernt, also der ganze Kurbeltrieb gewaschen werden. Aber an den Kolben, Pleullagern konnten keine Schäden festgestellt werden. Noch lag ich mit dem Oberkörper in der Maschine, als mich der 2.Heizer zum Gebläse holte, dass eigentlich bei Betrieb frische Luft von Deck ansaugte, über große Luftkanäle die Luft zu den Zylindern drückte und wenn der Kolben die Schlitze freigab, strömte die Luft in den Zylinder, spülte dabei gleichsam die alten Abgase hinaus, wurde bei der Aufwärtsbewegung des Kolbens verdichtet und zündetet erneut mit dem eingespritzten Diesel.
Heizer Tom 6 Heizer Tom 6