Hochseefischer Welt
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                                                                                                   Maritimes Hochgefühl                                                                                                                                          Großsegler-Atmosphäre zwischen Stralsund, Rügen und Greifswald Die beiden fast 30 Meter hohen Masten sind eine Herausforderung für die frisch zusammen gewürfelte Crew. 20 Tourismus-Studentinnen der Fachhochschule Stralsund sind  neugierig auf das eintägige Ostsee-Segelabenteuer.                                                                                                                                  Von Dr. Peer Schmidt-Walther
Und sie wollen es alle wissen. Doch vor der Praxis kommt die (gar nicht) graue Theorie: Was sie hier von Bootsmann Michael Köhlert hören, können sie „nicht nur sehen, sondern auch gleich einsehen, vieles auch anfassen beim Anpacken“. Das Flaggschiff von Mecklenburg-Vorpommern, zu den Hafentagen auf Besuch in Stralsund, ist, neben dem Segelspaß, auch Lernort. Zum Studium der zukünftigen Tourismus-Managerinnen gehört das besonders praxisorientierte Fach Maritimer Tourismus, das der Autor unterrichtet. „Wir wollen nicht nur Wissen anhäufen“, sagt Romina, „sondern auch fühlen, wie Wind und Wetter direkt auf ein Schiff wirken“. Zu solcherart Studien eignet sich die GREIF ganz besonders. Begeisterung fürs Schiff Wetterlage: kräftiger Ostwind und blauer Sommerhimmel. „Genau richtig für uns“, findet Kapitän Roland Hunscha, als er die Tagesgäste an der Gangway persönlich empfängt. Seine Crew freiwilliger Helfer, die während ihres Urlaubs - aus Begeisterung für „unser Schiff“ – von überall her angereist sind, warten auf der Back. Erster Offizier Alois Langforth weist sie in die Sicherheitsregeln an Bord ein. Dazu gehört auch das richtige Anlegen der Schwimmweste. Der Kapitän gibt schließlich über Bordlautsprecher das Kommando: „Klar vorn und achtern zum Auslaufen!“ Natürlich nur mit den Diesel-„Pferden“ von Chief Holger Raczkowski. Langsam tastet sich der 41 Meter lange Segler durch den Nordhafen vor die Ziegelgrabenbrücke, die pünktlich um 12.20 Uhr geöffnet wird. Von oben wird fröhlich gewinkt. Für die unten beginnt ein kleines Abenteuer, als die Stralsunder Brücken im Kielwasser verschwinden. Neues Hochgefühl Als endlich auf dem Greifswalder Bodden die Masten zum Entern freigegeben werden, sind die „Seefahrtsschüler“ nicht mehr zu bremsen. Mit umgelegtem Sicherheitsgurt und wackligen Knien tasten sie sich nach oben vor, freiwillig natürlich. Bootsmann Micha – an Bord sind alle per Du - unterstützt von Deck aus stimmgewaltig den unbändigen Aufwärtsdrang. „Ist das super hier oben!“, tönt es bald mehrstimmig aus dem „Gehölz“, wie die Takelage auch heißt. Auf der Saling, der ersten Plattform, genießen die mutigen Studentinnen das neue Hochgefühl. Unter ihnen nur das schlanke weiße Schiff. Rügens Küste grüßt von Backbord herüber, weitab an Steuerbord die Türme der Heimathafenstadt Greifswald. Die Stimmung auf dem Flaggschiff Mecklenburg-Vorpommerns könnte nicht besser sein. Bernd Fischer, Geschäftsführer des Landestourismus-Verbandes und selbst ehemaliger Marine-Offizier, hat zusammen mit Dr. Klaus-Dieter Block, dem Pressesprecher der Hanse Sail, für Vorfreude gesorgt: durch zwei Vorträge über den maritimen Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern. Darauf brennen jetzt die Jung-Akademikerinnen. Neben diesem Großsegler-Abenteuer werden sie auch das Peene-Tal per Kajak erkunden, die Insel Hiddensee und ihr Potenzial analysieren, wozu auch ein Besuch im NDR-Wetterstudio gehört, sowie im Kuhnle-Hafendorf Rechlin erfahren, welche Möglichkeiten der boomende Hausboot-Tourismus beschert. Und dabei auch selber am Ruder stehen. Tourismus praxis- und hautnah. Den wollen auch acht Journalisten des Berliner Reisejournalistenverbands CTOUR erleben, die sich zu dem Segeltörn eingeschifft haben. Auch um durch ihr Engagement den Segler zu unterstützen. Auf- und Niederentern Hörsaal und Redaktion sind schnell vergessen. Alle legen sich jetzt ins Zeug. Hilfreiche Ausbilderhände sind immer zur Stelle. Wind und Segel bekommen ihre Chance. Durch die von Schaumköpfen aufgeraute See - Ost-Rügen an Backbord - rauscht der Segler bei steifem Nordost-Wind in Schräglage durch den Bodden. Manch eine legt sich bei leichten Schaukelbewegungen doch lieber flach an Deck hin und lässt sich von der Sonne streicheln. Doch was da schon eine Weile aus Smutje Lutz Reiters Mini-Kombüse duftet, erregt appetitanregend die Gemüter. Seeluft macht hungrig, vor allem auf Deftiges. Sein Eintopf mit Würstchen geht weg wie warme Semmeln. Nach dem Auf- und Niederentern klingt aus den Worten der Studentinnen Stolz, haben die Profis sie doch gelobt: „Das läuft ja schon ganz ordentlich mit euch!“ Das Bootsmanns-Training hat schnell gefruchtet, weil alle hoch motiviert sind. Was sich auch beim anschließenden Souvenirkauf niederschlägt: Manch eine(r) streift sich ein GREIF-Shirt mit Schiffsmotiv über. Nach dem Motto: „Wir gehören jetzt dazu!“ Auch wenn die Tagesbilanz nur 23 Seemeilen in fünf Stunden gewesen ist. Animation zu maritimem Leben Auf der mit modernen nautischen Geräten ausstaffierten Brücke steht eine junge Frau aus Cottbus am hölzernen Ruder. Sie arbeitet „Hand für Koje“ und genießt das Leben auf einem Großsegler. Der Schnuppertörn geht am Nachmittag bei Kaffee und Kuchen in Greifswald-Ladebow zu Ende. Viele wollen im nächsten Jahr unbedingt wiederkommen: wegen der „urigen Segelei“ und dem  „starken Gruppengefühl“. Manche wollen unbedingt noch im Hafen Greifswald-Ladebow ins Gehölz: „Ein einmaliges Gefühl!“ Die Fachhochschul-„Mädels“ könnten sich sogar vorstellen, auf der GREIF als Hand-für Koje-Trainees anzumustern. „Vielleicht ergibt sich daraus ja auch ein Hausarbeitsthema“, meinen Josefine und Sandra, „zum Beispiel „Synergieeffekte bei der optimalen Vermarktung eines Großseglers aus der Region“. Das maritime Leben auf der GREIF hat sie – nicht nur akademisch - dazu animiert.                                                                                                      
Infos: Das Schiff: Schonerbrigg bzw. Brigantine GREIF (Rufzeichen: DQFD) aus Stahl, 570 m2 Segelfläche, verteilt auf 15 Segel, 41 m lang, 7,60 m breit, 3,60 m Tiefgang (max.); Höhe Großmast: 27,20 m; BRZ: 173, Verdrängung: 280 t; höchste Klasse des Germanischen Lloyd (100 A 5 Segelschiff), Fahrerlaubnisschein der Seeberufsgenossenschaft (SBG) als „Segelschulschiff - Ausbildungsschiff“ (BG-Verkehr SPS-Spezialschiff), modernste Sicherheits- und Kommunikationseinrichtungen; Indienststellung 1951 als WILHELM PIECK (damaliger DDR-Präsident) für FDJ und Gesellschaft für Sport und Technik (GST), ursprünglich als Staatsyacht vorgesehen; 1991 Umbau und Modernisierung auf der Neptun-Werft Rostock; Stammbesatzung und Hand-für Koje: 15 Personen, Mitsegler: 30 Personen; Reeder ist die Hansestadt Greifswald. Mitsegel-Möglichkeiten: Für alle Interessenten ab 16 Jahren (30 Plätze sind vorhanden) mit der Bereitschaft, sich - je nach seinen Kräften - an den Arbeiten zu beteiligen (das Schiff ist kein Hotelschiff!). Für Gruppen (Schulen, Vereine, Betriebe) eignet sich das Schiff besonders, um soziales Verhalten  und Seemannschaft zu trainieren. Erwachsene können genauso einsteigen, wenn sie sich einordnen können. Segelrevier ist die Ostsee mit Häfen in Deutschland, Dänemark, Schweden, Polen und den Baltischen Republiken. Bisher legte sie ca. 150.000 Seemeilen zurück und hatte 50.000 Mitsegler an Bord. 2016 stehen noch genügend Plätze zur Verfügung. Unterbringung: Im Gemeinschaftslogis oder (gegen Aufschlag) in Zweimann-Kammern. Moderne Sanitäreinrichtungen (auch Duschen) sind vorhanden. Kontakt: Internet: www.sssgreif.de; E-mail: GREIF-STZ@t-online.de; Tel.: 03834-841424 (hier erhält man den Schiffsprospekt, die Törnpläne, auch für eine Reihe von Tagesfahrten, sowie die Preise;  Tel. an Bord der GREIF: 0171 639 31 49.