Hochseefischer Welt
See-Episoden anderer Art
MS “Sans sousi” MS “Sans sousi”
"Ich taufe dich auf den Namen JASMUND…“ Größtes und modernstes Lotsenversetzboot Mecklenburg-Vorpommerns
Freest. Nach einer Test- und Erprobungsphase verwandelte sich am 12. November der NB (Neubau) 003 im Hafen von Freest an der Mündung des Peenestroms in ein respektables Schiff. 12 Uhr mittags: Nachdem Taufpatin Katharina Strümpel die „Geister der See“ mit ein paar Gläschen Rum besänftigt und dem Neubau „allzeit gute Fahrt“ gewünscht hat, schleudert sie schwungvoll die Champagnerflasche gegen den roten Rumpf. Damit ist der Name JASMUND offiziell.
Unter dem Beifall der Taufgemeinde überreicht ihr Mario Hey, Geschäftsführer der Lotsbetrieb GmbH Mecklenburg-Vorpommern, den obligaten Blumenstrauß. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der im Schlepp-, Offshore- und Festmacher-Geschäft aktiven Linnhoff Schiffahrt in Buxtehude, die ihre aktuell acht Lotsenboote in Wilhelmshaven, Bremerhaven und Mecklenburg-Vorpommern einsetzt.
Dazu gehört auch die Versetzung per firmeneigenem Hubschrauber von Wilhelmshaven aus in der besonders stark von der Großschifffahrt frequentierten und vom Wetter beeinflussten Deutschen Bucht. Auch diesem Revier wird die JASMUND wie auch den übrigen einen Besuch abstatten, bevor sie permanent ab Freest eingesetzt wird. Befragt nach den Eigentumsverhältnissen, schmunzelt Reeder Klaus Thesenfitz mit väterlich stolzem Blick auf „seine Taufpatin“ Katharina:  „Zu 80 Prozent bin ich der Eigner, meine drei Töchter zu 20 Prozent, ein noch reines Familien-Unternehmen also“. Der Konsul von Namibia stammt, wie er mit Blick hinüber auf die ferne Inselküste sagt, aus dem Dorf Thesenvitz nördlich von Bergen auf Rügen und trägt – bis auf „f“ statt „v“ - den Namen seines Geburtsortes. Es freue ihn besonders, dass der Prototyp JASMUND seine Erprobungsphase jetzt zur allgemeinen Zufriedenheit abgeschlossen hat. Auf der Stettiner Spezialwerft NSS sei gute Arbeit geleistet worden, betont Thesenfitz, darum gebe es möglicherweise auch Optionen für zwei weitere Neubauten des gleichen Typs, „um die Flotte schrittweise zu erneuern“. Dr. Christian Subklew, Ältermann der Lotsenbrüderschaft Wismar-Rostock-Stralsund (WiRoSt) und Partner der Lotsbetrieb GmbH, ist als Nautiker begeistert vom hochmodernen Fahrstand, der „einem Flugzeug-Cockpit gleicht und es vom technischen Stand her mit großen Containerschiffen aufnehmen kann“. Der Greifswalder und Hobby-Segler betont, dass man solche Fahrzeuge auch in der Kadetrinne bei Wind und Wetter einsetzen könne, „wenn es denn dort irgendwann mal zu einer Lotspflicht käme“. Ironischerweise fährt sich zur gleichen Zeit der 87 Meter lange niederländische 3100-Tonnen-Frachter SMARAGD bei steifem Nordwestwind vor dem Hafen von Vierow bei Greifswald fest, weil der Kapitän aus Sparsamkeitsgründen auf einen Lotsen verzichtet hat. In seiner kurzen Rede unterstreicht Subklew, dass das Schiff auch fähig sei  durchzukentern, sich also vollständig um die eigene Achse zu drehen. „Nach einem Seeunfall in der Elbmündung haben wir das gefordert, wobei zwei meiner Kollegen unter dem umgeschlagenen Boot ertranken“. Das sehr leistungsfähige 19,70 Meter lange, 5,60 Meter breite und 1,40 Meter tiefgehende Schiff kann von den beiden insgesamt 736 kW leistenden Volvo-Penta-Dieseln auf bis zu 25 Knoten beschleunigt werden. Während der Gästefahrt auf dem bewegten Greifswalder Bodden, über dem wie bestellt sogar die Sonne aus grauem Gewölk hervor blinzelt, zeigt die JASMUND eindrucksvoll, was in ihr steckt. Zurück bleibt minutenlang eine schäumende autobahnbreite Hecksee.                                                                                     Peer Schmidt-Walther
Infos: Bauwerft: NSS, Stettin, Polen; Baujahr: 2014; Länge: 19,25 m; Breite: 5,45 m; Tiefgang: 1,50 m; Hauptantrieb: 2 x Volvo Penta-Diesel zu je 368 kW; Betreiber: Lotsbetrieb GmbH Mecklenburg-Vorpommern; Reederei: Linnhoff Schiffahrt, Buxtehude; Heimathafen: Rostock; Flagge: deutsch.
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