Hochseefischer Welt
Fahrzeitberichte
... Hochseefischer erzählen über Ereignisse an Bord der Fangschiffe-   "Aus den Erinnerungen des Hochseefischers Heizer Tom"       Neuland Garnelenfischerei Im Jahr 1979 - 80 wurden die Zubringertrawler ROS 408 "Herbert Baum" ; ROS 409 "Heinz Kapelle"; ROS 411" Bruno Tesch" und ROS 413 "Karl Wolf" vom Zubringertrawler zum Garnelentrawler umgebaut. Diese 4 Schiffe "überlebten" damit die Abwrackaktion Ende der 70 - Anfang der 80 er der gesamten Zubringertrawlerflotte! Der Umbau erfolgte in der Neptunwerft Rostock und beinhaltete: Zwischendeck Wohnbereich - die ehemalige Bestmannkammer, auf Stb gleich am Niedergang wurde die Steuermanns- kammer. Gegenüber auf Bb wurde die ehemalige Steuermannskammer nach achtern vergrössert und erhielt 4 Kojen, für 2 Bestleute und 2 Netzmacher. Auf Stb, hinter der Chiefkammer wurde eine zusätzliche Kammer eingebaut für den nun zusätzlich zur Besatzung gehörenden Kälteing. und E-Meister. Die 2 . Koje in der Funkerkammer wurde meist für Besucher genutzt. Alte Fischlagerbunkerbereich: die Fischlagerbunker wurden vollends entfernt, aus dem zur Verfügung stehenden Raum wurde hinter dem Maschinenraumschott, ein Laderaum installiert, der ca 35 t. Garnelenfertigprodukte bei -35 Grad aufnehmen konnte und diverse andere Fischerzeugnisse zur Versorgung in Maputo. Nach dem Laderaum schloss sich eine Verarbeitung mit einem zweigeteilten Gefriertunnel an , zur Erstellung der Frostware bei - 45 Grad. Hinter dem Gefriertunnel folgte ein Plattenfroster, der aber nicht den Bedingungen der Garnelenproduktion entsprach und wieder deinstalliert wurde. Dann folgte der Packbereich und dahinter ein Sortierband unterhalb der Bunkerluken, das so nie genutz wurde. Bei der Produktion zeichnete sich ab, dass ein gewohnter Arbeitsprozess, mit Steertentleerung in die Bunker und anschließende Verarbeitung so nicht zu realisieren war, deshalb wurde der Sortierbereich an Deck Stb unter dem Dach verlegt.Alles was nicht Garnele hieß, lief auf demSortierband weiter und gelangte sofort über eine Rutsche Aussenbord.
Der Steert wurde schonend in einer Hocke entleert ( abgesetzt und geöffnet) Der Fang wurde sofort über eine drehbare Kühleinrichtung gekühlt und von einem Mann auf das Sortierband geschaufelt. Dort wurde der Fang von Allhands sortiert ( die Garnelen nach Grösse ) in Eimer gesammelt und dann hinunter in die Verabeitung gelassen, durch eine Decksluke an Stb. Unten wurden diese Eimer meist von dem Produktionsmeister empfangen, im Tauchbecken getaucht ( Eiweißersetzungsstopper) und dann auf den Packtisch gegeben. Meist fing sofort hier ein Matrose an, die Garnelen in die 2 Kg Kartoons zu packen., Die über ein, von der Besatzung angefertigtes Laufband zur Waage liefen, wo der Produktiuonsmeister sie abwog und auf Schalen in den Gefriertunnel schob. An Bb wurden die Garnelen nach            1,5 bis 2 Std aus dem Gefriertunnel gezogen ,glasiert und in 12 Kg. Umkartons in den Laderraum gegeben. Da die eigenlichen Fischaufnahmebunker nicht mehr genutzt wurden, wurde darin Seewasser von ca. 28 - 32 Grad auf ca. 5 Grad heruntergekühlt und dann über Düsen auf den gesamten Verarbeitungsbereich gesprüht! So konnte der Eiweißzersetzungdprozess aufgehalten, bzw. verlangsamt  werden und Garnelen mit einer guten Qualität erzeugt werden! An Bb Aufbau, unterhalb des Schornsteines wurde die alte Eismaschine der Zubringertrawler demontiert und eine Klimaanlage mit 2 Verdichtern installiert.Damit wurde der gesamte Wohnbereich und die Messe klimatisiert. In Eigenleistung wurden auf See Abzweige für den Schalttafelraum im Maschinenraum und für die Brücke hinter das Radargerät gelegt. So konnten die Arbeitsbedingungen im Maschinenraum und die Funktions- tüchtigkeit des Radargerätes verbessert werden! ( Im Maschinenraum bestand die Regel 15 min arbeiten, 15 min abkühlen im Schalttafelraum, die eingeführt wurde, als der E-Meister und ich im Wellentunnel ohnmächtig während der Arbeit wurden, und die sich in Folge bewährt hatte!) Somit wurde auf dem Garnelentrawler das "alte" Arbeitsprinzip der Logger, Seitentrawler wiederbelebt, wo eigentlich die gesamte Besatzung an der Verarbeitung des Fanges beteiligt war. Zusätzlich wurden dann später jeweil 3 Mocamb. Lehrlinge an Deck und in der Maschine ausbebildet, die von der Marineschule aus Maputo kamen, die vom Fischkombinat aufgebaut und mit Lehrkräften ausgestattet wurde.     ( Später begegnete ich einem "meiner" Lehrlinge weit oben in Mocambique, der voller Freude auf uns zulief, am liebsten wieder bei uns mitgefahren wäre, aber nun einen Arbeitsvertrag bei einem jap./ mocamb. Gemeinschaftsunternehmen hatte! So konnte er sich schon offiziell 2 Frauen leisten, was doch auch nicht schlecht war! Manchmal hatten "Gutbetuchte" ja bis zu 4 Frauen, die aber ernährt werden wollten. Können wir stolz sein, einem Jungen den Weg ins Leben mit bereitet zu haben......! ) So hatte die Garnelenfängerei für beide Seiten Nutzen und wurde eigentlich zum Erfolg unter den damaligen Bedingungen. Neuland Garnelenfischerei Teil III   Die Schiffe waren umgebaut , das Ziel der Reise war benannt, die Garnele! Was sich so einfach anhört, war um so schwerer zu bewerkstelligen. Die Kombinatsleitung und die betreffende Fangleitung. setzten grosse Hoffnung in die Garnelenfischerei. Zwar war ein Forschungsschiff und ROS 419 schon unten, konnten melden , dass es Garnelen im Tiefwassergebiet gab - aber überzeugende Fänge waren eigentlich Fehlanzeige! Wie auch, entsprach diese Fischerei doch keinegswegs den bisherigen Erfahrungen aus dem Nordmeer und der bisher gehandhabten Art der Fischerei! Hier konnte man nicht davon sprechen, am Fangplatz Echolot und HV-Lot an, einmal drüber dampfen, Anzeigen suchen, aussetzen und fertig! Nein, die Geräte waren hier von keinen grossen Nutzen. Viele haben die modernen Geräte im Film: "Windstärke 9 - die letzten Deutschen Hochseefischer", die farbig und sogar gleich mit Namen auf dem Bildschirm anzeigten, um was für Fischsorten es sich unter dem Schiff handelte -  aber Garnelen? Diese kleinen Krustentiere lebten am Meeres- grund auf 450 bis 600 m Wassertiefe und verschmolzen sogleich mit dem Bodensignal! Hier war also Erfahrung gefordert und die musste erst erarbeitet werden. Dazu gehörte aber auch, dass die Schiffe eine genaue Wassertiefe im Agulhas-Strom, bzw Mocambiquestrom halten konnten. Denn oft entschied nur eine Abweichung von 5m über Erfolg oder Misserfolg eines Hols am Meeresgrund! Deshalb wurden den Garnelentrawlern als Erstes die heute bei jedermann bekannten Satelittennavigationsgeräte eingebaut. Da diese, wie die gesamten Elektronikerzeuge auf der Natoembargoliste standen, selbst im Land nicht gefertigt wurden, gelangten diese Geräte aus Norwegen, auf was für Wege und wie auch immer, auf unsere Trawler! ( Eigentlich heute unvorstellbar, da meist jeder so ein Ding im Auto benutzt und zumeist auch noch mit dem Handy seine Position im Strassengewirr erkennen kann - aber damals? Nicht desto Trotz, der Steuermann war ganz stolz, dieses Ding benutzen zu können und jedem, der vorbei kam, vorzuführen und laut rufend über die Brücke zu laufen:" ..er hat ihn!", und meinte damit einen Satellit. Denn jedesmal, wenn das Gerät einen Satelitt erfasste, spukte ein kleiner Drucker die Position aus und der Steuermann konnte seine Position nachjustieren und so besser im Strom die Zossen hinter sich her schleppen, oftmals lagen die Schiffe fast 90 Grad zum Netz und schleppten mit über 100 % Maschinenleistung, die über 2000 m Kurrleine mit den zwei Netzen hinter sich her nach Norden! Nach gut 3 Std war es geschafft ( auch nur ein Erfahrungswert - längeres schleppen hätte die Qualität der Garnelen entscheident gemindert - so wurde eben nach "Uhr" gefischt und gehofft, die richtige Tiefe, den richtigen Zeitpunkt, die richtige Stelle im Schelf erwischt zu haben - denn so genau sagen konnte es keiner. Waren die Netze an Deck, konnten "Kilo" über die Laune an Bord entscheidend sein - und das Hochseefischern, die gewohnt waren Tonnen aus dem Meer zu ziehen .Kamen aber über 200 Kilo zusammen war die Freude gross, den richtigen"Strich" erwischt zu haben. Also schnell umgedreht, die Zossen auf der gleichen Tiefe an den Grund gebracht, die Maschinenleistung gedrosselt, denn jetzt schob ja der Mocambique- strom kräftig mit, auf den Satellit geschaut, ja er hat einen, wir sind richtig, auf gehts!
Dem Nachbarn mal gleich die Wassertiefe um 5m falsch angegeben - denn Hochseefischer sind Schlitzohren und auf ihren Vorteil bedacht und so wieder das Glück herausgefordert. Nur die anderen hatten ja auch Echolote und oft entsprang dann auf Kanal 77 die Diskussion: "....dort wo Du bist, können keine 550 m sein, das sind höchstens 540 m !". Diese Streitereien gingen oft so lange, bis der Fangleiter einschritt und das gemeinsamne Interesse eines Erfolges anmahnte.....! Weil diese Fischerei also auf reine Erfahrungswerte beruhte, hatten es die Vertretungskapitäne ganz besonders schwer, ich erinnere mich an den hier im Forum schon genannten Kapitän "Blubber" Fehling, der "seinen" Spezi durch die Abwrackaktion verloren hatte, nun wie so viele andere Besatzungsmitglieder aus der Speziflotte "Arbeitslos" war und froh war, hier unten in Mocambique einen Neubeginn zu bekommen - aber der fiel auch ihm schwer. Tage sass er auch noch nach seiner Wache morgends 04 Uhr mit einem Pott Kaffee und der obligatorischen Zigarette in der Hand, beobachtete den Steuermann, wie der es schaffte 2 Netze mit 4 Scherbrettern raus zu bekommen, ohne das sie über Kopf liefen und sauber das Netz auseinanderscheerend im Wasser verschwanden......Morgends 08 Uhr begegnete ich ihm danach schon wieder auf meinen Rundgang., Mittags nach seinem offiziellen Wachantritt sowieso....Die Ränder unter seinen Augen wurden immer schwarzer, seine tief dunklen Haare immer wirrer und er stöhnte: " Heizer, dat fischt nicht!". Er war völlig verzweifelt, die Jungs hatten auch immer finstere Mienen, ich sagte nur noch:" ...rede mit den Jungs, hol die Bestleute und Netzmacher, aber rede!" Ich glaube, es hatte geholfen, sie fanden zusammen, er hatte verstanden, jetzt wo die Kurrleinen zweimal um 90 Grad an Deck umgelenkt wurden, damit sie aus dem Auslegerhangerblock ablaufen konnten, war die Gefahr ,dass sich die Leinen verdrallten viel grösser als auf den "normalen" Fangschiffen. Sofort lies er die Leinen auslaufen, sauber auftrommelen..und siehe schon gelang es ihm immer besser und ohne die Bretter gegenseitig über "Kopf" zu fahren an den Grund zu bringen........
Das wurde uns natürlich nicht unbedingt leicht gemacht, denn oft "tummelten" sich Inspektoren Sicherheitsinspektoren, Arbeitsschutz- inspektoren, Politniks, die meinten ,da unten die Leute müssen an der "Leine" gehalten werden und nicht ihr eigens Süppchen kochen. Natürlich fand jeder Inspektor etwas zu bemängeln, aber wahre Unterstützung, wie es uns leichter gemacht werden könnte, die Schiffe im dauerhaften tropischen Klima am laufen zu halten, lieferten sie auch nicht! Wahrscheinlich waren sie wohl auch nur an der Sonne und den Holzmasken aus Afrika interessiert....., denn so schlecht, wie die Schiffe für den Einsatz vorbereitet wurden, konnte sich nur Fischfang Rostock erlauben. Korrossionsschutz für dieses Gebiet wurde gehandthabt wie immer - Resultat: die Besatzung musste mit ansehen, wie das Schiff unter dem Hintern wegrostete und kämpfte immer zu gegenan. Mit dem Deckschlosser wurden "echte" Lecks am Unterwasserschiff geschweisst, die Matrosen kämpften sich mühsam über die Decks, arbeiteten mit Nadlern, Rostumwandler, Bleimennige und anderen "bewährten" Rostschutzmethoden und konnten dennoch nicht verhindern, dass der Decksbereich unter den Beiholerwinden zum Teil nur noch 1 mm  aufwies. Die Winden so wenig wie möglich belastet wurden, Doppelungen aufgeschweisst wurden, usw , so "hielten" die Schiffe zwei Jahre da unten durch und hatten einen wesentlichen Anteil, dass z.B. in Ullapool, die hier im Forum geschilderten Geschäfte getätigt werden konnten, denn immer wenn ein Schiff in Rostock aus Mocambique mit Garnelen an Bord anlegte, war sofort, nach diversen schlechten Erfahrungen, die Polizei zur Stelle und überwachte den Löschvorgang, denn die Garnelen waren rein für den Export bestimmt. Trotz dieser "vorbeugenden" Massnahmen soll es vorgeklommen sein, dass "tonnenweise" Garnelen in unsichtbaren Kanälen verschwanden - also, war doch auch hier ein Markt vorhanden - siehe meine KFZ -Meisterin, die geradezu "scharf" auf meine "Heimatware" war!
Heizer Tom 4 Heizer Tom 4