Hochseefischer Welt
Fahrzeitberichte
   Kpt. Horst Seffner berichtet über Hochseefischer-Begebenheiten "Nur noch Ohren am Kopf!"
In den siebziger Jahren trugen die jungen Männer ja gerne ganz langes Haar und einige dazu noch einen mächtigen Rauschebart. Das war auf Kuba nicht gern gesehen. Das wollten die Kubaner nur ihren großen Revolutionären, wie Fidel und Che, zubilligen. Solche langhaarigen, vollbärtigen waren im Stadtbild von Havanna also augenfällig und so einer fiel Polizisten auf, als er irgendetwas mit Einheimischen abwickelte. Als die Einheimischen die nahenden Polizisten sahen, verschwanden sie und die Polizisten fanden unseren Mann vor mit drei Uhren und einem Bündel Geld. Ich wurde von der Polizei informiert, dass er die Nacht auf der Wache verbringen würde und bekam eine Anschrift genannt, wo am nächsten Morgen über den Fall verhandelt werden sollte. Ich nahm an, das über den Fall sprechen wollten. Als ich am nächsten Morgen die angegebene Anschrift erreichte, stand ich vor einem Gerichtsgebäude. Das hatte ich nun absolut nicht erwartet. Unser Mann kam an einem Polizisten mit Handschellen angeschlossen in den Gerichtsaal, in dem ich schon Platz genommen hatte.   Er war mit seinen jetzt ungekämmten langen, üppigen Haar und langen Vollbart schlimm anzusehen, eigentlich furchterregend. Das Gericht kam und eröffnete die Verhandlung mit der Frage an unseren Mann wie er heiße.    Er nannte seinen Namen und das Gericht teilte mit, dass, der, der seinen Namen genannt hat, vor dem Schnellgericht steht wegen Besitzes von kubanischen Falschgeld. Der Staatsanwalt bekam das Wort. Der verlangte, dass der Mann in Haft bleibt und dann vor ein ordentliches Gericht gestellt wird. Danach erhielt der Verteidiger das Wort und stellte den Antrag, dass der Mann vor ein ordentliches Gericht gestellt werden sollte, bis dahin aber auf freien Fuß bleibt. Die drei Schnellrichter steckten die Köpfe zusammen und nuschelten etwas, standen auf und verkündeten das Urteil. Es lautete: Er bleibt in Haft bis er vor ein ordentliches Gericht gestellt wird. Die Verhandlung war beendet – keine 10 Minuten hatte sie gedauert. Ich gab unserem Mann zu verstehen, dass ich ihm Sachen bringen werde. Der Polizist nannte mir das Gefängnis zu dem er unseren Mann jetzt   bringen sollte. Ich ließ an Bord eine Tasche packen mit notwendigen Toilettenartikel, Kleidung, auch was essbarem, ein paar Bücher und auch Zigaretten. Am genannten Gefängnis angekommen erfuhr ich, dass er verlegt ist und zwar in das Castill del los tres Reyes del Morro. Das ist die Festung auf der Ostseite der Hafeneinfahrt direkt am Leuchtturm. Diese hat riesige Kasematten in mehreren Etagen und die wurden damals als Gefängnis genutzt. Dort fuhr ich nun hin. Ich habe mich ausgewiesen und bekam die Bestätigung, dass er tatsächlich da war. Die Tasche nahmen sie mir aber nicht ab. Nicht mal eine Visitenkarte als Zeichen, dass sich jemand kümmert. Vieles ließ sich ja auf Kuba mit Fischkartons lösen, aber das nicht mehr. Ich musste also die Botschaft informieren. Der Botschafter war sehr erbost. Es wurde ein Bürger verurteilt, ohne dass die Botschaft vorher informiert wurde und so wurde die Sache politisch offiziell. Die Sache wurde über die Außenministerien zur Lösung gebracht. Ich bekam am 2. Tag gegen 16.00 Uhr von der Botschaft einen Anruf, dass ich unseren Mann um 18.00 Uhr am Haupttor des Castills abholen könne mit der Beauflagung, dass er in 48 Stunden die Insel zu verlassen habe. Für kubanische Verhältnisse ungewöhnlich, ging Punkt 18.00 Uhr das Tor auf und ein Mann kam auf mich zu und sprach mich an mit: „Guten Abend Herr Seffner“ in einer perfekten deutschen Aussprache. Das fand ich erstaunlich .... und plötzlich dämmerte es in mir, sollte das ...und da nannte er schon seinen Namen. Er war es. Man hatte ihm eine Glatze geschoren und den Bart völlig abrasiert. Er hatte nur noch Ohren am Kopf und darauf war ich nicht eingestellt. Ich wollte ja einen bärtigen Langhaarigen abholen. Ich nahm ihn mit in unsere Wohnung. Dort erzählte er mir dann, wie er zu dem Faschgeld gekommen war. Er wollte Uhren verscherbeln und die Kubaner hatten ihn dafür bereits Geld gegeben. Er gab die Uhren aber nicht her, weil ihm das Geld spanisch aber nicht kubanisch vorkam und so ereichten ihn die Polizisten mit seinen Uhren und mit dem Falschgeld. Am Tag darauf flog er mit der Aircubana über Madrid nach Berlin.  
                                                                                    "Fischereihafenprobleme!"   Der Fischereihafen (Porto Pesquero ) war ein Vorzeigeobjekt von Havanna und jeder wusste wo er war. Deswegen impften wir unseren Hochseefischern diese Worte ein. Er war gleich nach der Revolution von der Sowjetunion gebaut worden und ähnelte unserem alten Hafen ein wenig, war aber weit größer. Hatte neben Werkstätten, großen Kühlhäusern auch zwei Schwimmdocks. In den Kühlhäusern lagerten auch Fisch und Fleisch als Staatsreserven. Deswegen war der Hafen ständig scharf bewacht und beim Betreten und Verlassen wurde streng alles kontrolliert. Es war besser man wusste nicht, was unseren Hochseefischern so alles abgenommen wurde, wenn sie an Land gingen. Eins blieb aber in der Wache immer stehen - der Schnaps. Wenn es so 15 bis 20 Flaschen waren, wurden   sie dem Fischereivertreter übergeben. Es war meist Weinblattsiegel – 3,54 Mark Transitpreis. Da aber unbekannt war wem, das Zeug abgenommen wurde, konnte der Fischereivertreter frei über den Verbleib entscheiden und so erhielten dann Behörden oder Institutionen ab und an als Geschenk eine Flasche DDR Weinblattsiegel zum Wohle und zum Nutzen aller Rostocker Hochseefischer. Da der einzige Ausgang des Hafens so streng bewacht war, versuchten es immer wieder einige ihr Schmuggelgut über den Zaun zu werfen. Das klappte aber auch nicht, denn sobald etwas auf der Straßenseite angekommen war, waren auch schon Wachmänner da. Das sprach sich aber einfach nicht rum und so versuchten es zwei einen Seesack mit Textilien über den mehr als zwei Meter hohen Zaun zu werfen. Aus irgendeinen Grund wollte das nicht gelingen. Der Sack wollte einfach nicht die richtige Flugbahn bekommen, dass er über den Zaun fallen konnte. Die beiden waren so im Eifer, dass sie nicht bemerkt hatten, dass hinter dem auf der Straße ein Polizeiauto angehalten hatte und als der Sack dann endlich drüben war, konnte der Mann gleich mit dem Sack ins Polizeiauto einsteigen. Ich habe ihn dann auf der Wache ausgelöst. Der Mann, der auf der Fischereihafenseite war, ist aber entkommen und hat an Bord berichtet. Es wurde niemand mehr bei einem Versuch etwas über den Zaun zu werfen erwischt. Es hieß dann, wenn du etwas über den Zaun wirfst, steht gleich die Polizei da und sagt :                                                                                                               „Herzlich willkommen".
                                                    "Hafensylvester!"   Meinen ersten Jahreswechsel erlebte ich in Havanna 1973/74. Ich war erst seit Anfang Dezember Fischereivertreter in Havanna und kannte mich in den Gepflogenheiten noch nicht so recht aus. Die Sylvesterfeier der HPA, Handelspolitische Abteilung, der ich ja zugeordnet war, sollte auf den Villengrundstück der Seereederei stattfinden. Ich ging rechtzeitig zu Fuß los und kam doch viel zu spät und schweißtriefend an, weil ich die Entfernung völlig unterschätzt hatte. Nun wurde ich vorgestellt, weil mich ein großer Teil noch nicht als Fischerei- und Interflugvertreter kannte und es wurde gesagt: Stellt euch mal vor, der ist zu Fuß gekommen. Das war außergewöhnlich. Es war eine fröhliche Feier der Rum floss in Strömen. Der zweite Handelsrat hatte mir angeboten mich mit nach Hause zu nehmen, da er den gleichen Weg hatte. Als es los gehen sollte, hatte er aber mächtige Schwierigkeiten beim Einsteigen. Das mag aber daran gelegen haben, dass er einige Zentimeter über zwei Meter groß war und der Wartburg für solche Männer auch nicht besonders günstig war. In einer seltsam nach vorn gebeugten Haltung hielt er mir nun einen Vortrag: Für Autofahrer ist es nicht verboten Alkohol zu trinken und es gäbe immer wieder Situationen in denen man Auto fahren müsse obwohl man Alkohol getrunken habe. Dann würde man hier ganz anders an die Sache rangehen. Man würde bewusst, dass man nicht voll reaktionsfähig wäre, übervorsichtig fahren und die vielen Autounfälle, die, die DDR Bürger immer wieder auf Kuba verursachten, würden immer ohne Einfluss von Alkohol passieren. Ich bin gut zu Hause angekommen und die Belehrung auch. Mein zweites Sylvester 1975/76 feierte ich mit einem Bekanntenkreis in unserer Wohnung. Zum Jahreswechsel gibt es kein Geknalle und Geballer auch keine Raketen und Feuerwerke. Für uns fast erschreckend ruhig. Da fehlt einfach etwas. Der einzige Brauch es wird Wasser von den Balkons und aus den Fenstern geschüttet, eimerweise. Mit dem Wunsch, dass man im kommenden Jahr immer Wasser habe,beendeten wir um 00.30 Uhr unsere Feier. Ich wollte noch in den Fischereihafen. Dort lag die Peter Nell und ich wollte der Besatzung und ihren Kapitän, Rudi Andres, noch ein gesundes neues Jahr wünschen. Unvorstellbar das Hafentor stand weit offen, der Schlagbaum war hoch, die Wache offen und auch die Tür zum Büro des Chefs stand weit auf. Ich rief immer Hallo und betrat das Chefzimmer. Dort war auch niemand. Mir fiel aber auf, dass der Schrank in dem immer „MEIN“ Schnaps stand auch auf und ........ leer war. Der sonst so, so streng bewachte Fischereihafen ohne Wache. Dass war unvorstellbar für mich. Ich fuhr zur Peter Nell. Vor dem Schiff viele Autos und an Deck viele Menschen mit cubanischer Musik. Das hatte sich wohl einfach so ergeben und im improvisieren sind die Kubaner ja Weltmeister. Ich kam in die Kapitänskammer und dort war auch der Chef der Hafenwache. Er und Rudi Andres waren mächtig Stolz darauf, wie die Freundschaft zwischen unseren Bruderländern funktionierte. Für den Chef der Hafenwache hatte dieses Fischereihafensylvester kein gutes Nachspiel. Er wurde strafversetzt und damit war dann auch meine Quelle zum Reprä-Schnaps versiegt.
                                                  "Der Weißkohlmüll!"   In den 70ger Jahren wurde ja noch aller Müll von den Schiffen über die Reling entsorgt. In den Häfen wurde der Müll meist in Säcken gesammelt, um ihn dann auf See über Bord zu werfen. So wurde das auch auf Robert Koch praktiziert wenn sie in Havanna im Hafen lag. Eberhard Ehrich, der die Robert Koch als Kapitän fuhr bestellte beim Schiffsmakler 50 Müllsäcke. Eberhard sein Englisch war nicht besonders und das des Vertreters nicht besser. Man verständigte sich aber, dass die Lieferung im Moment nicht möglich sei, aber beim nächsten Einlaufen sollten die 50 Säcke geliefert werden. Wie staunte Eberhard als beim Einlaufen der Vertreter der Agentur mit einem Lkw mit vollen Säcken an der Pier stand. Beim näheren Hinsehen konnte man erkennen, es waren 50 Säcke mit Weißkohl. Das war unter kubanischen Verhältnissen eine Meisterleistung 50 Säcke mit Kohl zu beschaffen. Leider konnte Robert Koch diese Menge aber nicht abnehmen. Eberhard und auch der Vertreter der Maklerei waren fassungslos. Der eine sagte das habe ich nicht bestellt. Der andere behauptete aber, dass das eindeutig abgemacht wurde. Außer 3 Sack ging alles wieder zurück. Das Zeug woanders zu verkaufen war in Havanna für den Makler kein Problem. Beide Seiten rätselten, wie es zu diesem Missverständnis kommen konnte.Es klärte sich aber auf. Müll ist englisch cabbage oder auch rubbish und Kohl garbage. Wenn man die Worte oberflächlich englisch ausspricht, klingen sie fast gleich und weil der Vertreter der Agentur immer die Obst und Gemüsebestellungen annahm, war für ihn sicher, dass es sich um Kohl handeln musste. Im Nachhinein war uns klar der Kubaner kannte das Wort für Kohl aber nicht die Worte für Müll und Abfall und so bestellte er statt Säcke für Müll Säcke mit Kohl.
                                   "Hund von Baskerville nicht erspäht!"   Nach mehr als drei Monaten auf See konnte so manch ein Hochseefischer den schönen Kubanerinnen nicht widerstehen und holte sich in Einzelfällen einen Tripper. Die Inkubationszeit ist aber ca. 6 Tage. Er war nach drei Tagen zu Hause und steckte, ohne dass er selbst etwas bemerkt hatte, seine Frau oder Freundin an. Das gab dann fürchterlichen Ärger, wie sich jeder vorstellen kann. Eines Tages kam der Konsul unserer Botschaft zu mir. Er hatte ein Schreiben von einer Gesundheitsbehörde der DDR auf den Tisch bekommen, mit dem Hinweis, dass sich immer wieder DDR Bürger in Havanna einen Tripper holen, bei der schwarzen Maria und dem Hund von Baskerville“ hätten sich gleich mehrere DDR Bürger diese Krankheit zugezogen. Es war mehr eine Frage der Behörde, ob man da etwas unternehmen könne. Der Konsul, ein Greifswalder von Beruf Lehrer, nahm seine Aufgaben sehr ernst. Er suchte Rat bei mir. Ich war eigentlich auch ratlos, schlug dann aber vor, dass wir beide mal die Szene studieren sollten, um Rückschlüsse auf die Antwort zu erhalten. Wir beide zogen also los so kurz nach 18.00 Uhr. Da war es noch ziemlich still und leer in den Bars und es ließen sich keine Erkenntnisse für die Abläufe am späteren Abend erkennen. Gegen 20.00 Uhr kamen wir zum U-Boot der Bar mit Namen Nautilus. Das war die Lieblingsbar unserer Hochseefischer Sie war bereits einigermaßen gefüllt. Wir wurden sofort als DDR Bürger erkannt und es gab ein lautes "Hallo !!!!". Aber beide Barkeeper erkannten, dass wir wohl keine „normalen DDR-Bürger“waren, dazu die anzüglichen Mädchen, das reichte aber unserem Konsul und wir zogen ab. Das gesehene und erlebte reichte aus für einen Bericht, dass es unmöglich sei den Hund von Baskeville und die schwarze Maria in Havanna zu finden. Ein bekannter Mann aus unserem Betrieb (kein Hochseefischer)brachte dann eines Tages zwei hübsche Kubanerinnen in meine Wohnung, damit sie sich mal richtig satt essen konnten. Es waren der Hund von Baskerville und die schwarze Maria .Dem Konsul habe ich das aber nicht erzählt.  
                                                        "Abflugssorgen " Wenn die Interflug in Havanna ankam, dann schwärmten ja zusammen mit der Besatzung von Robert Koch, so an die 200 Hochseefischer abends in Havanna aus. Da kann man sich vorstellen, dass irgendetwas immer daneben ging. Das Einfachste war ja, dass sich jemand hoffnungslos in der großen Stadt verirrt hatte und nun, auch weil er sich nicht verständigen konnte, auf einer Polizeistation landete. Die Polizei rief dann den Bereitschaftsdienst der Botschaft an und der dann den Fischereivertreter. Einmal 1977 rief mich abends gegen 23.00 Uhr die Polizei direkt an, denn mittlerweile kannten sie unsere Telefonnummer auch. Dort auf der Wache seien zwei hilflose Männer von uns. Ich fuhr sofort hin. Ja sie waren hilflos, weil sie stockbesoffen waren. Sie erkannten mich nicht einmal. Ich sprach mit den Polizisten ab, dass sie erst einmal ausnüchtern sollten und ich sie dann nächsten Morgen abholen würde, denn sie sollten ja nach Hause fliegen. Ich hatte ja am nächsten Morgen erst einmal damit zu tun, dass die Abflieger in die Busse und zum Flugplatz kamen. Die Sachen von den beiden ließ ich einpacken und mitnehmen. Die beiden müssen fürchterliches durchgemacht haben, denn sie wussten ja nicht, dass ich sie abholen würde. Inzwischen war es 09.00 Uhr geworden und sie wussten um 08.00 Uhr sollte Abfahrt zum Flugplatz sein.. Als sie dann vor mir standen ungewaschen und ungekämmt mit verkaterten Gesichtern und sicher auch mit einem mächtigen Brummschädel, war ihre fast weinerliche Frage: „Was wird nun?“ Ein bisschen Strafe musste ja sein und ich sagte: „Es wird knapp, denn wir müssen ja noch eure Sachen vom Schiff holen und zum Flugplatz brauchen wir ja auch noch unsere Zeit. Aufgeregt erklärten beide, dass sie die Sachen nicht benötigten. Wichtig sei nur, dass sie das Flugzeug noch schaffen und obwohl ich wusste, dass wir es noch gut schaffen würden, denn Abflug war diesmal erst um 11.00 Uhr, sagte ich, dass wir es versuchen werden. Als wir dann am Flugplatz ankamen und sie ihre Besatzung sahen, da habe ich aber Steine plumpsen hören. Ich sah Überglückliche die alle Welt umarmen konnten und als sie dann noch ihr Gepäck von den Kollegen übergeben bekamen, war das Glück unendlich. Das erleichterte Dankeschön an mich in dem Glücksgefühl, habe ich heute noch in den Ohren.  
                                            "Ölschlammdauerschwimmen!"   Die kurioseste Geschichte mit dem Verirren in Havanna lieferte ein Produktionsarbeiter (einer von den Hippchen Zwillingen). Er irrte stundenlang durch Havanna und sah "Robert Koch"dann auf der anderen Hafenseite. Nun hatte er ein Ziel und wollte irgendwie zur anderen Hafenseite und verirrte sich wieder. Als er dann irgendwann weit nach Mitternacht die "Robert Koch"wieder auf der anderen Hafenseite sah, entschloss er sich, einfach durch den Hafen zu schwimmen. Er ging also in das unvorstellbar dreckige Hafenwasser. Das war ihm nach seinen Irrwanderungen gleichgültig, aber die Entfernung hat er weit unterschätzt, denn er hat es gerade so geschafft. Die letzten Meter eigentlich nur noch, weil er dem Ziel schon so nahe war und die Männer von "Robert Koch"ihn auffischten.. Also glücklicher Ausgang.  
        Die schlimme Frage
Wenn ein Hochseefischer nach Havanna fliegen konnte oder durfte, so war das schon etwas besonderes und er wollte, während des kurzen Aufenthalts, möglichst vieles über das Land wissen. Jeder setzte voraus, dass der Fischereivertreter alles über die Stadt und die Insel weiß. In meiner Anfangszeit konnte ich oft die Fragen , was ist das für ein Baum oder wie heißt das Haus, der Stadtteil oder die Straße nicht beantworten. Heute gebe ich zu, dass ich manchmal einfach von mir selbst erfundene Namen sagte. Wurde ich nach einem selten aussehenden Baum gefragt, antwortete ich, das ist eine mittelamerikanische Zwirbelpalme. Die habe ich in Erinnerung behalten. Mein Unwissen war Anlass mich sehr intensiv mit der Geschichte von Kuba, der Stadt Havanna und auch mit die Botanik von Kuba zu beschäftigen. Ich habe dann, weil der Interklub keinen deutschsprachigen Fremdenführer hatte, mit vielen Besatzungen in Havanna Stadtrundfahrten gemacht. Das machte mir sehr viel Spaß, weil es sehr interessierte Besatzungsmitglieder waren und es am Ende immer Beifall von zufriedenen Mitfahrern gab. Eines Tages kam von der Seeredereivertretung ein dringender Hilferuf. Sie hatten für eine besondere Passagiergruppe von der „Völkerfreundschaft“ eine Stadtrundfahrt organisiert. Der Bus stand abfahrtbereit vor dem Schiff und es fehlte ein deutschsprachiger Stadtführer. Ich hatte Zeit und hetzte zum Hafen, schwang mich in den Bus und begann, ohne jede Vorrede, die Stadtführung. Nach zwei Sunden beendeten wir wieder vor dem Schiff unsere Fahrt. Es gab Beifall und von einer Frau mit sächsischen Dialekt wurde mir gesagt, dass ich ein „fast“ fehlerloses Deutsch spräche und gefragt, wo ich das gelernt hätte. Ich sagte, dass ich aus der DDR komme und hier in Havanna DDR Fischereivertreter sei und wir unsere Besatzungen, die vor der USA Küste fischen, hier austauschen. Die gleiche Frau fragte nun erstaunt, ach, so weit schicken wir unsere DDR Boote raus ? Das Wort Boote machte mich fast sprachlos über das Unwissen dieser Frau über unseren Berufszweig. Ich habe das aber zum Wissen gemacht und sah erstaunte Gesichter darüber,
Hilton brennt !
Zum Besatzungsaustausch benötigten wir immer 100 Hotelbetten für nur eine Nacht. Das war nicht immer einfach. Zumal auch nur wenige Hotels für unsere Besatzungen zumutbar waren. Am liebsten nahmen wir das Havanna Libre das ehemalige Hiltonhotel. Wir taten alles, um uns bei dem Chef und dem Personal eine gute Nummer zu machen. Beispielsweise gab es auch ab und zu einen Karton Fisch. Leider gab es sehr oft Ärger mit unseren Seefahrern, weil sie ja gewohnt waren Müll aus dem Bulleye zu werfen, warfen sie auch alles mögliche aus den Hotelfenstern. Wenn eine leere Flasche aus dem 25 Stock fliegt und auf einem Auto landet, geht das nicht ohne Schaden ab. Das hatten wir zu meinen Zeiten mehrere maleAber. Schlimmer war es fast noch, wenn etwas unmittelbar neben Leuten aufschlug. Das hatten wir mehrfach, aber es ging immer, außer dem Riesenschreck, glimpflich aus. Das Hotelpersonal hat aber immer gleich unsere Leute eingekreist und den Ärger hatte dann der Fischereivertreter. Einmal erhielt ich die Information, dass ein Zimmer von unseren Leuten ausgebrannt sei. Oh, Oh. Ich konnte aber nicht ins Hotel, da ja Besatzungsabflug war und dann musste ja Robert Koch auslaufen. Bewaffnet mit einem Fischkarton rückte ich dann an. Der Chef der Rezeption sagte mir dann, es wäre gar nicht so schlimm gewesen und sie hätten das Feuer mit eignen Kräften löschen können und außerdem sei das Hotel so gebaut, dass immer nur eine Etage ausbrennen kann. Das ist auch kubanische Gelassenheit.
Hans Joachim Franz