Hochseefischer Welt
Fahrzeitberichte
"Man glaubt es kaum - nach 43 Jahre unerwartet wieder erkannt!" Mit Bernd Meyer aus Magdeburg, den ich kurz vorher durch das Internet (Homepage "Hochseefischerei") kennen gelernt hatte, war ich im August 2003 gemeinsam zur Hanse-Sail gefahren. Natürlich besuchten wir gleich in den Morgenstunden auch den ehemaligen Fischereihafen des Fischkombinates Rostock. Dort angekommen, sahen wir  mehrere Grosssegler, die dort festgemacht hatten, aber auch ein Forschungsschiff mit Namen "Professor Albrecht Penck", dem wir uns von achtern näherten. Vor dem Schiff auf der Pier standen 2 Schautafeln, auf denen geschrieben stand, dass es sich um einen umgebauten Logger aus dem Jahr 1951 handeln sollte. Wie ich mir die Brücke anschaute, schien mir, dass es sich bei den Brückenaufbauten um einen Trawler vom Typ I handeln müsste. Dies teilte ich dann auch Bernd mit, der die Zeit der Logger nicht mehr selbst miterlebt hatte. In diesem Augenblick trat aus dem Schiff ein Mann, der mich fragte "ob ich was von Fischereischiffen verstehe?". Daraufhin erzählte ich ihm, dass ich in meiner Lehrzeit bereits auf Loggern gefahren sei. Er fragte mich nun , auf welchen Loggern ich gefahren sei, denn auch er sei früher auf Loggern gefahren. Ich nannte ihm die Logger ROS 115 "Anton Saefkow" und ROS 135 "Rostock". Nun wurde der Mann erst richtig neugierig und befragte mich, wann ich auf ROS 115 gefahren sei, denn er war in seiner Fahrenszeit Bestmann auf diesem Schiff gewesen. Ich antwortete ihm, dass dies Anfang 1960 gewesen sei. Zwischenzeitlich war er zu uns auf die Pier gestiegen. Ich selbst konnte mich an diesen Bestmann nicht mehr erinnern, doch er an mich, denn plötzlich sagte er zu mir: " Gille - fasst sich an den Arsch !". Ich konnte es nicht glauben, nach 43 Jahren konnte er sich noch an meinen Namen und an meine "Unsitte" erinnern. Ich bewundere immer wieder Leute, die sich nach so vielen Jahren noch an Namen erinnern können. Danach lud er uns gemeinsam auf sein Schiff ein, auf dem er immer noch tätig ist. Wir tranken gemeinsam Kaffee und dabei fragte ich ihn dann nach seinem Namen, denn ich wollte ja unbedingt wissen, ob ich dann eine Verbindung herstellen könnte. Er sagte, er heißt "Erich" und wie der Vogel "Kranich". Nun hatte ich etwas in meinen Erinnerungen durcheinander gebracht und sagte zu ihm, "er könne mein Bestmann nicht gewesen sein, denn der war etwas kleiner". Daraufhin antwortete er sofort "Du meinst jetzt den Netzmacher Klaus Packmoor". Und so war es ! Danach fragte er mich, "ob ich mich noch an Host Kiesling erinnern würde?". Horst Kiesling war mit mir in einer Klasse gewesen und hatte die Urkunden für die Polartaufe gestaltet, denn er konnte wunderbar zeichnen. Es stellte sich heraus, dass Erich und ich die Polartaufe gemeinsam auf einer unserer Reisen erhalten hatte. Nun war es aber Zeit geworden, die Seglerparade auf der Warnow zu sehen. Deshalb fuhr ich mit Bernd Meyer mit der S-Bahn nach Warnemünde. Die Bilder habe ich ja auch auf der Homepage veröffentlicht. Nach dem Bernd dann noch  ein kurzes Bad in der Ostsee genommen hatte (ich hatte keine Badehose dabei), besuchten wir zum Abschluss unseres Rostock-Aufenthaltes dann noch einmal Erich auf seinem Schiff. Die Freude muss meinerseits sehr gross gewesen sein, denn auf der Heimfahrt war ich als Fahrer so überschwenglich, dass ich mit 97 km/h ein Dorf verlassen habe und dabei geblitzt wurde , mit dem Resultat, dass ich den Monat Oktober zu Fuss gehen darf und zusätzlich 4 Punkte in Flensburg kassiere, neben 125 Euro Geldstrafe. Ein voller Erfolg !!! ;-))    
"Fangplatz Nordmeer und die Deutsch-Sowjetische Freundschaft"    Um Spitzbergen, den Bäreninseln und in der Barentsee wurde vor allem Rotbarsch gefangen. Hier war auch die russische Fischfangflotte stark vertreten. Ihre Logger hatten sie aus Stralsund – wie wir!Doch sie hatten ein anderes System den Fischfang zu betreiben. Und zwar lief dieser wie folgt ab.Zuerst ortete ein Suchschiff einen Fischschwarm, danach wurde die Fangflotte informiert und alles zog dorthin, während das Suchschiff weiterzog, um neue Fischschwärme auszumachen.Am Fangplatz  selbst wurde ein weiteres Schiff stationiert, dass den anderen Schiffen als Orientierung diente. Wenn also die sowjetischen (damals nicht nur Russen) Fischereifahrzeuge plötzlich vom Fangplatz verschwunden waren, brauchten wir uns nur an das Positionierungsschiff, dass immer als letztes den Standort verlies, anhängen und schon erfuhren wir ihren neuen Fangplatz.Wenn das Positionierungsschiff nach seinem Abdampfen mitbekam, dass wir ihm folgten, haben sie oft ihren Kurs radikal geändert, doch das half ihnen auch nichts, da wir stets davon ausgingen, dass sie bis zu diesem Moment in direkter Linie zu ihrem Zielgebiet wollten und so fuhren wir dann einfach geradeaus und kamen meist auch beim Flottenverband an.Obwohl ich in der Schule gelernt und geglaubt hatte, die Sowjets sind unsere Freunde, wurde ich hier schnell eines besseren belehrt.Hier waren wir nur eine lästige Konkurrenz! Um die Konkurrenz auszuschalten konnten sie ganz rapide vorgehen und das geschah folgendermassen:Nachdem wir unser Netz ausgefahren hatten, kam ein russisches Fischereischiff und fuhr im Winkel von ca. 45 – 90° über unser Netz bzw. über die ausgefahrenen Kurrleinen hinweg. Danach holten sie sofort ihr Netz und damit auch unseres ein.Nachdem sie alles an Bord hatten, befreiten sie aus dem Wuhling ihr Netz, in dem sie unser Netzgeschirr zerschnitten.Dies passierte aber nur einmal. Als sie bei nächster Gelegenheit wieder versuchten mit uns ihr Spielchen zu treiben, waren wir schneller beim Einholen unseres Netzes und damit ihres Netzes. Nun vollzog sich die Trennung umgekehrt. Nachdem die Arbeit getan war, kamen sowjetische Matrosen mit einem Boot und 2 Flaschen Wodka zu uns rüber, um gemeinsam anzustossen und ihre Reste abzuholen. Danach zog es jedoch unser Kapitän vor, etwas weiter weg von den Russen zu fischen, dadurch fingen wir zwar nicht ganz soviel Fisch mit einem Hol wie die Russen, aber unser Netzgeschirr blieb heil dabei und wir bekamen auch so den Bauch des Loggers voll.Ich möchte aber noch anmerken, so radikal ging es nicht jedes Mal zu!
"Wundertechnik "Der stille Don"    Manch einer wird sich jetzt fragen "was hat das zu bedeuten?", denn er erinnert sich an das Buch oder den Film gleichen Namens.Doch in diesem Fall heißt ein russisches Radargerät "Don".Wir befanden uns auf der Jungfernfahrt der ROS 303 "Friedrich Wolf" zu den westgrönländischen Fischgründen und das Schiff mußte noch im Bereich der Sichtgeräte getestet werden. Zu diesem Zweck fuhr auf unserem Schiff, ein Diplom- ingenieur vom VEB "Rundfunktechnik Stassfurt" mit. An Bord befanden sich 2 Radargeräte. Ein deutsches Radargerät mit ca 15 Seemeilen Sichtweite und ein russisches Radargerät mit 50 Sm Sichtweite. Er war aber nur ausgebildet für das kleinere deutsche Radargerät, doch das machte keine Probleme.Dagegen fiel das "Don-Gerät" immer wieder nach bereits 15 bis 30 Minuten Betriebszeit aus. Der "Spezialist" bemühte sich redlich und wir begannen auf der Brücke Wetten abzuschließen, wie lange es beim nächsten Versuch laufen würde. Inzwischen hatte es von uns den Spitznamen "Stiller Don" erhalten.Nun war der Mann so begehrt und beschäftigt, dass wir ihn nach 8 Überfahrtstagen an eines unserer anderen Schiffe übergeben mußten, damit er an Land gebracht werde und danach in Kuba seine Fähigkeiten zum Besten geben sollte. Er war kaum von Bord, da fiel das Radar "Don" wieder aus. Ein Schiff ohne ordentliches Radar, ist bei dem vielen Nebel im Fanggebiet eine sehr gefährliche Angelegenheit. Auch wenn man auf der Brücke allerhand sah und hörte, war ich persönlich sehr überrascht, als es nach ein paar Tagen hieß, "wir fahren Richtung Grönland". In der Zwischenzeit hatte es auf unbekannten Wegen eine Verbindung zu den dänischen Seestreitkräften auf Grönland gegeben. Wahrscheinlich über unseren Funker, der dem "Stillen Don" leider auch nicht ein längeres Leben einhauchen konnte. Vor der mächtigen Bergkulisse Grönlands angekommen, fuhren wir in einen der vielen Fjorde ein. Zu diesem Zeitpunkt wurde der gesamten Mannschaft mitgeteilt, dass fotografieren ab sofort verboten ist und die Kameras unter Deck zu bleiben haben. So konnte auch ich dort keine Fotos machen.Warum nicht fotografiert werden durfte, war auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Es waren in der wind- geschützten Bucht nur zwei kleinere Steinhäuser und einige Iglus der einheimischen Eskimos zu sehen. Imponierend empfand ich jedoch die vielen motorgetriebenen Boote der Ekimos und deren Wille unbedingt mit uns handeln zu wollen.Nachdem wir also eingelaufen und geankert hatten, kamen 2 dänische Offiziere von ihrem Küstenwachschiff , wahrscheinlich Elektroniker, an Bord unseres Schiffes und begannen unmittelbar danach sich mit dem "Stillen Don" zu beschäftigen.Ich dachte bei mir im Stillen "was können schon die Dänen mit einem russischen Radar besehen, das haben sie doch noch nie vorher in ihrem Leben gesehen!", doch es waren zum Glück nur stille Gedanken.Denn nach nur wenigen Stunden emsigen Hin- und Her- und Hoch- und Runtergelaufe zum Peildeck und probieren, verabschiedeten sie sich so plötzlich wie sie gekommen waren. Wir lichteten wieder den Anker und fuhren hinaus auf den Fangplatz und man soll es nicht für möglich halten, von diesem Tage funktionierte das Radar "Don" ohne Beanstandung. Es war wie ein Wunder! Seither denke ich gern an dieses Erlebnis zurück!
"Die Fata Morgana"  Ich war mit der ROS 135 „Rostock“ auf der Rückreise vom Rotbarschfang inder Barentsee und hatte Ruderwache. Ich glaube es war nachmittags, es war leicht bewölkt und ansonsten klare Sicht.Backbordseits war die norwegische Küste gut zu sehen, als wir vor uns am Horizont einen langgestreckten Gebirgszug sahen, der aber dort nicht sein konnte, denn dort war nur Nordseewasser. Der anwesende Steuermann und der andere Rudergänger einigten sich darauf , dass die Fata Morgana der isländischen Küste ähneln könnte. Zu diesem Zeitpunkt überholte uns auf unserer Steuerbordseite ein polnischer Fischdampfer, der noch mit Kohlen beheizt wurde und daher mächtig Rauch abliess. Er hatte wohl kräftig was aufgelegt. Nach kurzer Zeit vergrösserte sich der Abstand zu uns zusehends. Nachdem er weniger als 1 Seemeile voraus war, sahen wir die Aufbauten von ihm doppelt, d.h. zweistöckig, desto weiter er sich von uns entfernte je mehr Aufbauten hatte er. Als wir ihn nach ca. einer Stunde nicht mehr sahen, war auch die Fata Morgana verschwunden.Dieses Naturschauspiel, dass eigentlich nur in den gleissend heissen Wüsten zu beobachten ist, gibt es also auch auf dem Meer. Eine etwas andere Fata Morgana habe ich etwa 2 Jahre später noch einmal erleben dürfen. Doch dies ist eine andere Geschichte.Wer hat ebenfalls solche Naturereignisse erlebt ?  
Fangschiff in Seenot geraten !            Während meiner Fahrzeit bin ich aus meiner Sicht und meines Wissens nur einmal in eine wirklich brenzlige Lage geraten und daran war ich dann auch noch selbst schuld.Es war Herbst 1962, ich fuhr auf der ROS 304 "Erich Weinert" und wir befanden uns nach 70 Tagen auf dem Weg von Neufundland nach Rostock, also wieder auf der Heimreise. In Höhe Islands gerieten wir in einen orkanartigen Sturm. Eigentlich nichts besonderes und auch nichts zum Fürchten. Ich hatte die 2.Wache von 22.00 Uhr bis 02.00 Uhr. Dies war die unbeliebteste Arbeitszeit, von uns glaube ich "Jonaswache" genannt, weil zu dieser nachtschlafenden Zeit nur die die Geister munter sind. Da ich in den Fahrzeiten stets auf Ruderwache ging, haben wir abends vor der Wache auch noch oft geklönt oder Karten gespielt. So auch an diesem Abend .Als ich nun auf die Brücke zur Wachablösung mit noch 2 anderen Matrosen kam, war das Ruderhaus voll abgedunkelt, nur vom Kartenraum drang weitab etwas Licht herein. Wir vollzogen wie üblich die Wachablösung und einer von uns Dreien übernahm die Ruderanlage. Mittlerweile war die See recht rauh geworden und der Kapitän hatte sich zwischenzeitlich entschlossen, das Schiff gegen die See zu halten. Das bedeutete in unserem Fall, dass wir in westlicher Richtung dampften,also Nordamerika, statt in östlicher Richtung, wo sich unser Heimathafen befand. Bei Wellenbergen ab ca 10m war dies gezwungener Maßen üblich, weil nur so ein Schiff, auch unser knapp 86m langes Schiff, sicher im Sturm geführt werden konnte. Würde es weiterhin mit der See laufen, würde das Schiff geschoben werden, dabei würde sich das Ruderblatt lange Zeit oberhalb der Wasseroberfläche befinden und wir hätten in dieser Zeit die Führung über das Schiff verloren. Dadurch würde es zum Spielball der Wellen werden. Die Maschine arbeitete in dieser Zeit mit "langsamer Fahrt". Mehr brauchten wir auch nicht, denn wir wollten ja nicht an die amerikanische Küste zurück! Als wir nun unsere Ruderwache übernommen hatten, war es auch draußen sehr dunkel aufgrund der schlechten Wetterlage und dadurch war auch die See schlecht zu erkennen. Ein Scheinwerfer hätte hier auch nicht mehr Helligkeit gebracht, weil er nur ein Lichtkegel in die Dunkelheit geschnitten hätte.Während also ein Matrose am Ruder stand, die Automatik war bei dieser Wetterlage natürlich abgeschaltet, hielten die beiden anderen Aussicht, d.h. sie beobachteten die schwere See, bzw. ein Wachgänger machte seinen stündlichen Schiffskontrollgang. Bald nach unserem Wachantritt verschlechterte sich für uns die Lage, da die See keine einheitliche Richtung mehr hatte, sondern drehte. So kam es, als ich an der Reihe war, dass ich das Schiff unabhängig vom Kreiselkompasskurs in dieser rabenschwarzen Nacht gegen die schwere See halten sollte.Ich kann nicht genau sagen, was es war, wodurch ich das Schiff abdriften liess, war es die Müdigkeit durch zu wenig Ruhe, war es das ständige Starren auf die unruhige und aufgewühlte dunkle See, die Dunkelheit und damit nachlassende Konzentration oder war es ganz einfach, dass man am Ruder im Stehen den bekannten Minutenschlaf hatte. Egal was die Ursache war, der andere anwesende Wachgänger (wahrscheinlich) und auch der 2. Steuermann (2.Nautischer Offizier) bemerkten es nicht sofort und so versuchte ich erst bei vorgegebener"langsamer Fahrt" das Schiff selbst wieder auf Kurs zu bringen. Doch ich schaffte es nicht, das Schiff gegen die See zu bringen. Mit jeder Minute wurde die Drift und damit auch die Krängung des Schiffes größer und gefährlicher. Doch nun registrierte es auch bereits der 2.Steuermann.Die erste Reaktion des "Zweiten" war, mich vom Ruder zu jagen! Dann begann das Bangen! Der "Alte" (Kapitän), der immer spürte, wenn etwas nicht in Ordnung war, kam ebenfalls bald im Schlafanzug angetobt. Da mit "langsamer Kraft" nichts mehr auszurichten war, wurde nun mit halber Kraft und ich weiß nicht mehr ob auch noch mit mehr Maschinenkraft versucht, das Fang- und Verarbeitungsschiff mit 98 Besatzungsmitgliedern wieder gegen die See zu bekommen. Ich weiß nicht mehr wie lange es gedauert hat, es kam mir wie eine kleine Ewigkeit vor, doch bei Wachübergabe hatte es die Schiffsführung wieder geschafft. Zu meinem persönlichen Glück muss ich sagen, dass ich dafür nie vor der Mannschaft "Spießrutenlaufen" mußte und die folgenden Ruderwachen auch nie mehr darüber gesprochen wurde.Noch heute kommt es manchmal in mir hoch und ich bin dann immer wieder froh, dass keine Katastrophe daraus entstanden ist. Wilfried Gille
Falk Ubl Falk Ubl