Hochseefischer Welt
Fahrzeitberichte
Wahre Erlebnisse an Bord der Fischereischiffe der DDR
Bericht von Gerd Nöske
"ROS 224 -überwältigt vom "Schwarzen Frost"!" Habe zwar alles mitgemacht, aber was sollte man da schon groß berichten, eigentlich war es aus meiner Sicht eine ganz unspektakuläre Aktion, obwohl bereits mehrfach sehr spektakulär darüber berichtet wurde. Hier nun meine Sicht der Hilfeleistung. Es waren sehr viele Minusgrade. Wie viele kann ich leider nicht mehr sagen. Wir nannten es ja den Schwarzen Frost.
Diese Wetterlage kommt zustande wenn die Luft kälter ist als das Wasser. Auf dem Wasser waren ja mächtige Nebelschwaden. Der Atem gefror bei der Arbeit an Deck ja sogar im Gesicht (Bart u. Augenbrauen), das war besonders unangenehm, da sich sofort kleine Eiszapfen bildeten. Selbst die Pelzmütze gefror!. Eigentlich gefror sofort alles, was feucht war und was ist nicht feucht?! Wenn das Netz nach dem Fischen aus dem Wasser kam, so war dieses sofort gefroren und damit knüppelsteif. Das erschwerte zusätzlich die Arbeit. Nun weiter zur „Görlitz“. So kam es ,dass wir den Notruf erhielten. Mit "WIR" ist das Fang- und Verarbeitungsschiff ROS 304 "Erich Weinert" gemeint. ROS 224 "Görlitz" konnte jedoch noch aus eigener Kraft auf uns zufahren. Darauf fuhren wir ins ruhige Treibeis, um mit der „Görlitz“ zusammen zu treffen. Die Besatzung hatte schon Netze und andere Gegenstände über Bord geworfen um das Schiff leichter zu machen. Wir lagen fast längsseit. Viele von unserer Besatzung musste auf den Trawler zum Eispicken, denn wir hatten ja auch weit mehr Leute als der Trawler..Unsere Hilfe war unbedingt erforderlich. Die Besatzung war total am Ende. Mit vereinten Kräften wurde das Schiff wieder seetauglich.Enorme Mengen an Eis wurde vom Schiff entfernt. Der Eispanzer auf dem Schiff war enorm stark, jedoch keine Dicke von ca 1 m wie mancher Orts behauptet. Die „Görlitz“ konnte dann auf Heimreise gehen und wir setzten unseren Fischfang weiter fort.
Gerhard Nöske berichtet über Hochseefischerei-Begebenheiten                                          "Humanitäre Hilfe"  Du möchtest von mir gerne wissen wie es zu dem Grönlandbesuch kam. Ich erinnere mich noch an folgendes! Wir waren beim Fischfang vor der westgrönländischen Küste und hatten zu diesem Zeitpunkt das Deck voll mit Fisch liegen, als wir einen Notruf von einem westdeutschen Schiff erhielten.        Es meldete sich der Trawler “Recklinghausen “. Auf dem Schiff war ein schwerer Unfall passiert. Ein Matrose war mit dem Kopf zwischen Galgen und Scheerbrett geraten. Für Nichtkundige sei erklärt, der Kopf wurde zwischen zwei Stahlelementen eingeklemmt, wobei sich das Scheerbrett auf den Galgen zu bewegt hat. Der Matrose hatte wahrscheinlich die Aufgabe, das Scheerbrett am Galgen einzuhängen. Es war sehr schlimm. Es stellte sich heraus, dass wir diesem Trawler am nächsten waren. Da wir einen Chirugen als Arzt an Bord hatten, boten wir unsere Hilfe an. Wir dampften aufeinander zu und der westdeutsche Kapitän hoffte, unser Arzt würde den Verunfallten auf ihrem Schiff behandeln, doch unsere Ärzte durften ja nicht die Schiffe verlassen und so musste der Matrose zu uns auf das Schiff geholt werden. Als sich die Schiffe auf Rufnähe genähert hatten, wurde von uns ein Schlauchboot ausgesetzt und der Mann mit Hilfe einer Tragbahre auf unser Schiff geholt. Nach eingehender Untersuchung durch den Schiffsarzt, stellte dieser fest, dass eine längere stationäre Behandlung für den Patienten erforderlich sei und wies deshalb eine Verlegung in ein Krankenhaus an. Der nächste Hafen war Godthab auf Grönland. Da dem Patienten nicht zugemutet werden konnte, einen Rücktransport auf sein Schiff vorzunehmen, wurde schnell alles seeklar gemacht und so dampften wir mit voller Kraft zu diesem Hafen und haben dort den Schwerverletzten abgeliefert. Unser Aufenthalt dauerte fast 2 Tage. Auch über einen Landgang konnten wir uns freuen. Dänische Kronen hatten wir nicht und brauchten wir auch nicht. Es herrschte ein ziemlich eisiger Wind, deshalb begaben wir uns schnell wieder an Bord. Diese gute Tat unseres Schiffes hatte sich schnell auf dem Fangplatz umher gesprochen. Man zollte uns großen Respekt. Auch wurde uns von den Westdampfern  von nun an oft mitgeteilt, wo der Fisch stand. Ab diesen Zeitpunkt waren wir voll anerkannt auf  dem Fangplatz. Diese gute Tat hat richtig für Aufsehen gesorgt. Ich glaube 2 Reisen später war der gute Mann dann an Bord und hat sich herzlich bei der Besatzung bedankt. Auch kleine Geschenke hatte er im Gepäck. Anmerkung: Man muss wissen, dass die drei verlorenen Fangtage für das DDR-Fangschiff mit knapp 100 Besatzungsmitglieder einen Verlust von pro Tag ca. 100.000 Mark bedeutete. Man lese bitte auch meine Kritik zum Buch "Hiev up". Hiermit bestätigt ungewollt ein weiterer Zeitzeuge meine Aussagen.
Kpt. Rudolf Speer Kpt. Rudolf Speer