Hochseefischer Welt
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Wilfried Gille
Fahrenszeit von Oktober 1959 bis Mitte 1963
auf ROS 115, ROS 116 ,ROS 303 in der Lehrzeit      dann bis zum Schluss auf ROS 304
Rückblick auf meine kurze Zeit alsHochseefischer
1953, mit 10 Jahren entdeckte mein bester Freund seine Liebe zur Seefahrt und da mußte ich mitspielen. Wir besaßen einen großen ungenutzten Gartenpavillon, dort hingen wir Landkarten an den 8eckigen Wänden auf, befestigten ein Rad vom Fahrrad an einem Holzstab und schon war unsere Schiffsbrücke fertig. 1958, in der 9.Klasse hieß es sich einen Beruf aussuchen. Da wir eine Autowerkstatt besaßen, die aber vom VEB genutzt wurde, wollte mein Vater sehr gern, dass sein Sohn Autoschlosser wird, doch das wollte sein Sohn nicht.                         Da VEB Autoinstandsetzung auch keinen Vertreter des Besitzers in seinen Reihen haben wollte, musste mein Vater seinen Traum aufgeben und der Weg war frei. Wie viele andere Jungs wollte ich zur DSR, doch ich hatte mich schnell umgehört und wusste daraufhin, meine Noten würden nicht reichen, also bewarb ich mich beim DFK Rostock mit der blauen Bewerbungskarte. Um sicher zu gehen bewarb ich mich auch noch  beim DFK Sassnitz. Die Sassnitzer meldeten sich sehr schnell und wollten meine blaue Bewerberkarte, ohne die kein Lehrvertrag möglich war, doch ich wollte ja nach Rostock. Als ich schon kaum noch auf eine positive Antwort zu hoffen wagte, kam der erlösende Zuspruch aus Rostock. Am 01.10.1959 reiste ich dann mit dem Zug nach Rostock. Schon im Zug lernte ich zufällig einen späteren Klassenkameraden kennen  und so gingen wir beide gemeinsam dem Lehrlingswohnheim entgegen. Links und rechts auf dem Treppengeländer saßen einige Lehrlinge. Als wir die 2. Stufe mit unseren Koffern betraten, erhielten wir einen Stups mit dem Ausruf "Herzlich Willkommen in der Matrosenfabrik !" Wir landeten leicht unsaft unterhalb der Treppe. Das 1. halbe Jahr hatten wir theoretischen Unterricht, dann 1 Jahr verteilt auf den Schiffen der Flotte. Für mich waren es die Logger ROS 115 und ROS 116. Da ich eine ganz schöne große Klappe besaß, musste ich einiges einstecken. So hatte der Bestmann mir etwas gesagt, ich lachte darüber, er ärgerte sich , ich lachte weiter, als er mich einfangen wollte und so drohte er mir ich sollte sehen was passiert, wenn ich nach unten (ins Schiffsinnere) komme. Nun wusste ich endlich, ich hatte wieder mal überzogen! So wartete ich bis der Bestmann sich wusch und stellte mich dann so in den Gang, dass er mich sehen musste, tat er dann auch, drehte sich um und langte zu. Ich flog ans Aussenschott, hatte leichte Kopfschmerzen und die "Sache" war bereinigt. Wenn wir uns erst in den Kammern begegnet wären, wer weiß, ob ic h dann so glimpflich davon gekommen wäre. "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" - doch auch sie sind mal vorbei. Nach der Lehre fuhr ich dann den Rest meiner Fahrenszeit zuerst auf ROS 303 Friedrich Wolf und dann bereits die Jungfernreise auf ROS 304 "Erich Weinert". Auf diesen Schiffen zu fahren, machte mich damals sehr stolz. Die Besatzungsmitglieder bekamen  rote Kärtchen, ohne sie war das Betreten der Schiffe verboten, da man sehr viel Angst vor Anschlägen des Klassengegners hatte. Auf den Fischfangplätzen wehte noch der Wind des kalten Krieges. Besonders bundesdeutsche Steuerleute, die gerade von der Schule gekommen waren, betitelten uns gern als "Ostzonale", doch unsere immer besseren Fänge und unsere hervorragende  medizinische Betreuung, die sie im Notfall gern in Anspruch nahmen, führten bald dazu, dass aus den "Ostzonalen" die "Rostocker" wurden und auf unseren Schiffsbrücken hingen dann bald Zettel auf denen hinter dem Schiffsnamen, die aufgefangenen Vornamen der Kapitäne und Steuerleute standen. Ja, es war schon eine tolle Zeit und ich konnte viel dazu lernen. Im späten Frühjahr 1963 besuchte ich nach längerer Zeit mal wieder meine Eltern zuhause.Angespitzt durch alte Freunde machte ich jedoch eines Tages eine Dummheit, die dazu führte, dass ich ins VPKA bestellt wurde. Da ich dem ausrichtendem Abschnittsbevollmächtigten (ABV) schnippisch geantwortet hatte, "ich müsste mal sehen ob ich da Zeit habe", erwarteten  sie mich dann in dem ca 10m2 großen Raum mit 3 ABV und einer Schreibkraft in der 4. Ecke. Nach verhältnismäßig kurzem Gespräch, verkündeten sie mir, ich hätte 150 Mark der DDR zu zahlen. Eigentlich gab es dafür gar keinen triftigen Grund  und so antworte ich bereits in der Tür stehend trotzig "wenn sie mich öfter mit solchen Kleinigkeiten belästigen, bleibe ich mal ganz fort!". Eigentlich war damals mein Heimatort gemeint, doch sie riefen mich sofort zurück. Ich habe sofort meinen Urlaub abgebrochen und bin nach Rostock gefahren. Im HdH angekommen holte mich dann aber sofort der "Matrosenjäger" in sein Zimmer und nahm mir das Seefahrtsbuch ab und gab mir einen Zettel mit der Aufforderung, mich am nächsten Tag in der Heuerstelle oder Seefahrtsamt, so genau weiß ich das gar nicht mehr, zu melden. Dort am nächsten Tag angekommen, erklärte man mir "man wisse nicht warum und wieso, aber ich dürfe nicht mehr auf ein Schiff.  Es wäre das Beste wenn ich mich Zuhause um eine Tätigkeit bemühen würde oder im Hafen arbeiten, doch im HdH dürfte ich nicht  mehr wohnen. Das gab mir den Rest und ich fuhr nach Hause. Dort ging ich zum VPKA und erkundigte mich, wann ich wieder einen Antrag auf ein politisches Führungszeugnis stellen dürfe. Man lachte daraufhin nur und sagte, das würde ich noch früh genug erfahren. Damit war klar meine Seefahrtszeit war beendet. Es hat lange gedauert bis ich eine neue Richtung fand. Doch obwohl ich dann ein 2. Mal als Intertankstellenleiter politisch entlassen  wurde, konnte ich später meinen VE-Meister und Ingenieurökonom im Bauwesen machen, doch da war die DDR auch fast an ihrem Ende angekommen. Da ich mir schon vor der Vereinnahmung 1988 im "An- und Verkauf" (Secandhandshop) meinen 1. Computer Commodore "C+4" mit Garantie für 6500 DDR-Mark gekauft hatte und bald darauf das Internet ins Leben gerufen wurde, wollte ich dann auch im  Internet präsent sein. Zuerst waren es nur Reise-HPs, doch dann wollte ich etwas Ausbaufähiges beginnen und so kam ich wieder zur Hochseefischerei. Ich habe ihr so viel zu verdanken und glaube nicht, dass ohne die Erfahrungen , die ich dort machen durfte, mein Leben später doch noch so erfolgreich statt gefunden hätte. Heute versuche ich in Zusammenarbeit mit vielen anderen ehemaligen Hochseefischern diese Zeit unvergessen zu machen. Inzwischen hat die Hochseefischer-HP einen Speicherbedarf von  über 650 MB mit mehreren tausend Seiten voller Bilder und Informationen. Hier und heute möchte ich mich bei den beteiligten ehemaligen Hochseefischer für ihre Zuarbeit bedanken, denn ohne sie würde die Homepage heute für die User fast keine Frage  unbeantwortet lassen.
Die Inhalte der HP werden jetzt weitergeführt von Wolfgang Zietzschmann